"WiMAX ist keine Bedrohung"
Seite 6: "WiMAX ist keine Bedrohung"
Hier muss erstmal jemand Geschäftsmodelle aufbauen, die die Investition in die neue Technologie rechtfertigen. Bauen Sie mal ein wireless-Netz in Deutschland auf. E-Plus hat 6 oder 7 eigene WLAN-Hotspots aufgebaut, für andere sind wir Partnerschaften eingegangen. Unser umsatzstärkster Hot-spot im Estrelle, einem der größten Kongresshotels in Berlin, macht gerade mal 2.000 Euro Umsatz - im Monat. Ich sehe da einen Trend, der für mich heißt: ja, diese neuen Technologien sind verfügbar und sie werden auch benutzt werden, sie werden uns Mobilfunker aber nicht schädigen. Wenn wir konsequent nicht in Technologien, sondern in Anwendungen denken, die dem Kunden einen Nutzen bringen und wenn dieser Nutzen für den Kunden einen Wert hat, der - und jetzt kommt der wichtigste Teil - in einer vernünftigen Relation zum Preis steht, dann sieht dieser Kunde überhaupt keine Notwendigkeit, ein alternatives Angebot zu nutzen. Wenn ich von Ihnen im Monat - jetzt werfe ich mal eine Zahl in den Raum - 70 Euro haben möchte, und damit können Sie soviel Sprache, soviel Daten machen, wie Sie wollen, warum sollten Sie dann irgendwo noch einmal 9 Euro pro Stunde WLAN-Nutzung zahlen? Immer vorausgesetzt ist dabei, dass ich die gleiche Qualität biete - Sie erwarten natürlich, dass Sie auch im Estrelle indoor UMTS nutzen können, und zwar mit einer Bandbreite, die Sie dort auch mit WLAN bekommen würden.
Aber bietet nicht WLAN deutlich höhere Bandbreiten als UMTS selbst mit HSDPA?
Das Problem für jeden Anbieter ist nicht die Luftschnittstelle, sondern die Bandbreite, mit der Sie den eingesammelten Verkehr abführen müssen: Wenn Sie sich anschauen, wie die WLAN-Hotspots in einem Hotel angebunden sind, dann sind das meistens nur DSL-Leitungen. Wenn Sie 10 Nutzer gleichzeitig im Hotel haben, können die plötzlich auch nur noch über jeweils 200 - 300 KB/s verfügen. Auch im Mobilfunk liegt das Problem nicht unbedingt in der Luftschnittstelle. Wir haben unsere Basisstationen bei GSM in der Regel mit 2x2 MB angebunden, um den Verkehr abzuführen, bei UMTS ist es noch mehr. Wenn Sie in einer solchen Zelle UMTS machen wollen, dann müssen Sie hinten eine dickere Leitung zum Abführen des Verkehrs haben, den backbone. Dazu sind wir in der Lage, weil wir in den vergangenen 10 Jahren für unsere 15.000 GSM-Standorte ein eigenes backbone über ganz Deutschland gespannt haben.
Die eigentlichen Investitionen liegen nicht in der Funk-Infrastruktur, sondern in den Leitungen - war das schon immer so?
Wenn Sie sich die Kosten und die Investitionen aus der Vergangenheit anschauen, dann ist es tatsächlich so, dass sie im backbone nicht so viel Bandbreite gebraucht haben - Sprache ist ja relativ schmalbandig. Access points für WLAN kosten heute vielleicht 2.000 Euro. Eine Mobilfunk-Basisstation rund das 10fache. Aber das Netz dahinter ist teuer. Und wer soll Ihnen als WLAN-Betreiber das Netz zur Verfügung stellen? Sie können nicht einfach Straßen aufreißen und Kabel zu den ganzen access-points legen. Sie müssen also wieder auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen. Die gehört der Telekom, und da sind wir wieder beim Thema DSL. Was hat ein WLAN-Betreiber davon, zum Beispiel die Düsseldorfer Innenstadt zu versorgen, wenn er nicht in der Lage ist, den Datenverkehr über hinreichend Bandbreite abzuführen? Nichtsdestotrotz, es wird ad-hoc-Netze geben, es wird Mesh-Netze geben, es wird in Zukunft sicher auch andere Dinge geben. Aber finden Sie als Betreiber dafür erstmal ein Geschäftsmodell, finden Sie Partner, die bereit sind, in dieses Geschäftsmodell zu investieren, weil sie daran glauben, dass am Ende des Tages Geld damit zu verdienen ist.
Wird lizensierter Mobilfunk auch in 10 Jahren noch Vorteile gegenĂĽber lizenzfreien Technologien haben?