"WiMAX ist keine Bedrohung"
Seite 5: "WiMAX ist keine Bedrohung"
Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Meiner Meinung nach wollen Kunden auch mobil den Internetzugang, den sie aus dem Festnetz kennen. Mobile Portale wie Vodafone live oder i-mode werden von der breiten Masse nicht so angenommen wie die Branche es erwartet hat. Das liegt daran, dass wir versucht haben, das Internet neu zu erfinden. Der Kunde will aber das, was er gewohnt ist, einfach nur auch mobil nutzen können. Und dafür müssen wir die Möglichkeiten und Voraussetzungen schaffen. Wir dürfen nicht, wie in der Vergangenheit geschehen, so arrogant sein, ihm etwas vorschreiben zu wollen. Durch diese Haltung haben wir in der Branche auch Innovationen verhindert - im Gegensatz zum Internet, wo jeder das tun kann, was er für sinnvoll hält. Das Internet hat eine ganze Menge sinnvoller Anwendungen hervorgebracht - bis hin zu neuen Entwicklungen wie pod-casting und Blogging. Das sind interessante Anwendungen, die auch gesellschaftliche Veränderungen möglich machen. Aber aus den Bereich Content wollen wir uns raushalten, das ist nicht unsere Domäne. Unsere Domäne ist die Connectivity. Wir wollen das Endgerät mit einer Applikation verbinden, die ein Dritter mit der entsprechenden Kernkompetenz entwickelt hat.
Und warum lassen Sie dann im Daten-Pauschaltarif die Nutzung von Voice over IP nur mit Skype zu?
VoIP ist derzeit eines der am meisten diskutierten Themen in der Branche. Da schwingt bei vielen die Sorge mit, dass VoIP eigene Umsätze kannibalisiert. Wir haben gesagt, wir werden uns dem Thema nicht verschließen, sondern testen und schauen, wie die Kunden Voice over IP annehmen. Deswegen sind wir eine Kooperation mit Skype eingegangen. Die VoIP-Dienstleistungen werden von Skype im eigenen Namen und auf eigene Rechnung angeboten. Es handelt sich nicht um ein klassisches Vorleistungsprodukt, das Netzbetreiber Service Providern wie debitel normalerweise zur Verfügung stellen. Wir haben jetzt eine Vielzahl von Service Providern, die von uns erwarten, dass wir ihnen Datenprodukte zur Verfügung stellen, damit sie einen eigenen VoIP-Anbieter auswählen oder selber VoIP-Anbieter werden können. Das ist etwas, was wir ausschließen wollen. Beim Thema VoIP geht es ja nicht um einen neuen Tarif oder eine neue Technologie, es geht auch um eine Veränderung bei Geschäftsmodellen, mit der wir momentan zumindest noch vorsichtig umgehen. Wir wollen nicht leichtfertig mit dem Feuer spielen.
Wenn man mal davon ausgeht, dass sich mobiles VoIP auf Dauer nicht verhindern lassen wird: ist der Preis von 39,95 Euro, den Sie heute fĂĽr die Datenflatrate nehmen, auf Dauer die Obergrenze fĂĽr Ihre denkbaren monatlichen Einnahmen pro Kunde?
Nein, denn wir reden in diesem Fall nur vom Datenumsatz, die Umsätze aus der Sprachtelefonie kommen noch on top. Wir wissen, dass es bei den Kunden eine sogenannte share-of-wallet-Diskussion gibt - der Kunde ist bereit, einen bestimmten Betrag pro Monat für Kommunikation auszugeben. Von diesem Betrag wollen wir mehr und mehr von der Telekom oder anderen Festnetzbetreibern zu uns holen - auch im Datenbereich. Da bin ich dann pro Kunde - mal ganz einfach gerechnet - bei 40 Euro für Sprache plus 40 Euro für Daten, also bei 80 Euro Umsatz pro Kunde.
Sind 40 Euro durchschnittlicher Sprachumsatz nicht illusorisch?
Nein. Wir haben heute zum Beispiel bei BASE zusätzlich zur 25-Euro-Flatrate noch die Gespräche in andere Mobilfunknetze. Der Durchschnittsmsatz der BASE-Kunden ist höher als 40 Euro. Wenn in Zukunft aber komplette Flatrates angeboten werden für wirklich alle Gespräche, dann glaube ich, dass sie darunter liegen werden. Schauen Sie sich mal die Umsatzverteilung der Telekom an. Der Anteil der Monatsgebühren, wie es in deren Umsatz immer noch heißt, ist im Vergleich zu den variablen Gebühren, also den Minutenpreisen, deutlich gestiegen - durch diese Angebote wie Aktivplus oder XXL. Auch die Telekom dem Kunden hat gesagt, gib mir noch 5 Euro oder 10 Euro und dann kannst Du auch am Wochenende gratis telefonieren. Das Ultimative an diesen Konzepten ist einfach, dass Sie irgendwann sagen, gib mir den Betrag x, meinetwegen 40 Euro im Monat, und Du kannst wann immer, wo immer und soviel Du willst telefonieren. Das wird noch nicht in 2 bis 3 Jahren so sein, aber die Mobilfunkbranche wird eine Industrie sein, die in Flatrates endet.
Wie spielen in diese Gemengelage alternative Funktechniken hinein, wie etwa WLAN oder WiMax, die immerhin ohne die Altlast von 8 Milliarden Euro fĂĽr Lizenzen auftreten?