"WiMAX ist keine Bedrohung"
Seite 2: "WiMAX ist keine Bedrohung"
Das ist richtig. Innovation heißt bei uns nicht ausschließlich technologische Innovation. Unter Innovation verstehen wir auch Prozess- und vor allem Innovationen in Bezug auf Geschäftsmodelle. Simyo ist sicherlich keine Produkt-Innovation als solche, es ist ein einfacher Sprachtarif. Aber genau das ist die Innovation, nämlich das dahinter stehende No-frills-Geschäftsmodell.
Aber Geschäftsmodelle sind einfacher zu kopieren als Erfindungen...
Zweifelsohne einfacher zu kopieren, aber nicht ohne weiteres. Natürlich kann Vodafone kurzfristig seine Billing-Systeme so einstellen, dass sie ähnliche Angebote abrechnen könnten. Für Vodafone würde das aber ein ganz anderes Risiko bedeuten als für uns. E-Plus wird vorgeworfen, dass simyo gut funktioniert, die meisten Nutzer aber aus dem E-Plus Kundenbestand kommen. Das stimmt nicht. Wir haben mehr zu gewinnen als zu verlieren. Wir haben einen Marktanteil von 13 Prozent, das heißt rein statistisch kommen nur 1,3 von zehn simyo Kunden aus unserem Kundenbestand, der Rest kommt vom Wettbewerb - und das ist auch tatsächlich so. Wenn Vodafone das Konzept umsetzen würde, kämen beim aktuellen Marktanteil von rund 40 Prozent 4 von 10 neuen Kunden aus dem eigenen Kundenbestand. Die Gefahr einer Kannibalisierung ist bei Vodafone oder T-Mobile also wesentlich größer. Insofern ist das Geschäftsmodell doch nicht so einfach zu kopieren. Es gibt bei den beiden Großen zwar einige Versuche, simyo nachzueifern, aber das sind sehr vorsichtige Ansätze, und die Konzepte funktionieren nur, wenn sie auch die gleiche Qualität bieten. Inzwischen gibt es weitere Angebote nach dem No frills-Konzept, die simyo kopieren, zum Beispiel blau oder Debitel-light. Weitere werden folgen. Kritische Stimmen fragen, ob das nicht zuviele Anbieter werden für einen Markt, der ein Potenzial von 15 Millionen Kunden hat. Das kann durchaus sein, die Konsolidierung wird es zeigen. Unsere Strategie ist es, durch simyo mit einer eigenen Marke vertreten zu sein und neuen Playern Netzkapazität anzubieten.
Wird E-Plus mit weiteren Marken an den Start gehen?
Unsere Strategie ist klar. Wir überlegen, in welchen Segmenten eigene Marken, also Marken, an denen E-Plus beteiligt ist, Sinn machen. Das sind aber eher wenige. Es wird zukünftig in Deutschland aber eine Vielzahl von Branded Resellern geben. Oder neue Service Provider. Dabei kommt der mögliche Partner mit einer interessanten Marke auf uns zu und will in den Mobilfunk einsteigen. Da gibt es eine Vielzahl von Gesprächen, und ich gehe davon aus, dass sich im vierten Quartal noch etwas tun wird.
Und E-Plus selbst wird zur Nebenmarke oder verschwindet sogar ganz?
Nein, wir haben nicht vor, die Marke E-Plus vom Markt zu nehmen. Das wäre auch nicht ratsam. E-Plus ist und bleibt der Komplettanbieter für Privat- und Geschäftskunden. Wir werden das Produktangebot sicher etwas straffen - wir gerade dabei. Aber E-Plus wird die Marke sein, mit der wir Angebote platzieren, die im direkten Wettbewerb mit den klassischen Marken im Mobilfunk stehen. Deneben gibt es simyo für Leute, die nur das bezahlen wollen, was sie wirklich nutzen - zu einem vernünftigen Preis. Darüber hinaus haben wir die Marke BASE etabliert. BASE fokussiert sich auf Kunden, die bereit sind, sich über einen Zeitraum von 12 Monaten und mit 25 Euro pro Monat an die Marke zu binden. Das sind zwei sehr polarisierende Modelle. Der Schwerpunkt der Vermarktung liegt derzeit auf den Marken BASE und simyo.
Nun will E-Plus ja erklärtermaßen Gesprächsminuten aus dem Festnetz abziehen. Einer Ihrer Konkurrenten bietet dazu Kunden eine normale Festnetzrufnummer, unter der man preiswert erreichbar ist. Planen Sie auch so etwas?