"WiMAX ist keine Bedrohung"
Seite 3: "WiMAX ist keine Bedrohung"
Damit sprechen Sie das Thema Terminierung an. Ich sage nicht, dass wir es nicht tun, aber ich glaube, mit der Lösung über eine Ortsnetznummer ist uns nicht gedient. Eine Lösung könnte sein, dass eingehende Gespräche im Mobilfunk nicht teurer sind als im Festnetz. Das ist aber ein langfristiger Prozess, da diese Terminierungsentgelte in Deutschland zwischen den Mobilfunkanbietern und der Deutschen Telekom verhandelt werden und es entsprechende Laufzeiten für bereits verhandelte Terminierungsentgelte gibt.
Eine echte technische Innovation war ja die UHS-Technologie mit UMTS-Basisstationen, die auf sehr hohen Standorten sitzen und dadurch ein sehr großes Gebiet versorgen können. Wie sind die ersten Erfahrungen?
Ich bin froh, dass die beiden E-Plus Ingenieure, die diese Technologie entwickelt haben, einen so langen Atem hatten. Als sie die Idee in der Düsseldorfer Zentrale vorgestellt haben, haben alle Funknetzplaner erst mal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Die Telekom hatte nämlich im GSM-Netz Anfang der 90er Jahre einen ähnlichen Versuch gestartet, dann aber relativ schnell festgestellt, dass man bei dieser Art des Modulationsverfahrens Probleme bekommt. Wenn Sie eine GSM-Basisstation haben, senden Sie in der Regel in 3 Sektoren, 3mal in 120 Grad. Wenn Sie versuchen, von einem hohen Standort ein größeres Gebiet abzudecken, dann bekommen Sie irgendwann Lastprobleme, weil sie in der Zelle nur eine bestimmte Energie abstrahlen können. Das heißt, Sie müssten dann weiter sektorieren, also den Winkel enger machen. Das führt aber dazu, dass Sie an den Rändern immer einen Übergang haben von einer Frequenz zur anderen, dass Sie hier Interferenzprobleme bekommen und die Handovers nicht mehr funktionieren - dem Kunden kann dann beim Wechsel der Straßenseite die Verbindung zusammenbrechen. Diese Probleme hat man beim GSM-Modulationsverfahrens nicht in den Griff bekommen. Und diese Erfahrung hatte sich in die Köpfe sämtlicher Funknetzplaner eingebrannt. Unsere beiden Ingenieure haben sich davon nicht abschrecken lassen, denn UMTS arbeitet mit einem anderen Modulationsverfahren. Also haben sie es ausprobiert, und es funktionierte tatsächlich. Es funktioniert sogar so gut, dass wir in Düsseldorf mit mittlerweile 9 Sektoren arbeiten und die gesamte Stadt inklusive Neuss und Umland vom Fernsehturm aus versorgen. Für dieselbe UMTS-Abdeckung arbeitet Vodafone mit mehr als 50 Standorten. Die UHS-Technologie hat sich also bewährt. Sicherlich wird sie irgendwann an ihre Grenzen stoßen - wenn wir mehr Last aufs Netz bekommen - dann können wir bestimmte Hotspots unter dem großen Schirm der UHS-Versorgung noch einmal separat durch herkömmliche UMTS-Standorte versorgen.
Tatsächlich haben sich Ihre Investitionen im ersten Halbjahr 2005 gegenüber dem Vorjahr fast halbiert. Manche Beobachter sagen, Sie hätten den UMTS-Aufbau im Prinzip einfach gestoppt...
Das stimmt nicht. Wir haben jetzt 60 Prozent der Bevölkerung mit UMTS abgedeckt - und zwar auch Indoor, so dass unsere Kunden UMTS nicht nur draußen auf der Straße, sondern auch in Gebäuden nutzen können. 80 Prozent der Nutzungsfälle gerade bei UMTS finden indoor statt, 85 Prozent aller mobilen Gespräche werden indoor geführt. Wir sind an einem Punkt, an dem wir 60 Prozent der Bevölkerung mit UMTS erreichen, das Netz aber mehr oder weniger leer ist. Den weiteren Ausbau werden wir eng an die Kundennachfrage nach UMTS-basierten Diensten anlehnen. Es macht keinen Sinn, weitere hunderte von Millionen Euro in den Aufbau eines Netzes zu investieren, wenn die Nutzung von UMTS noch nicht hoch ist. Wir optimieren das UMTS-Netz und bauen dort weiter, wo wir Kapazitätsprobleme bekommen. Wenn wir feststellen, dass die Kunden UMTS annehmen und wir entsprechend Last auf dem Netz haben, dann freue ich mich auf weitere Investitionen.
Ihre Konkurrenten haben schon Pläne für HSDPA, eine schnellere UMTS-Variante, bekanntgegeben. Dafür ist nur ein Software-Upgrade in den Basisstationen nötig. Werden Sie damit nachziehen?