"WiMAX ist keine Bedrohung"
Seite 4: "WiMAX ist keine Bedrohung"
Wir werden im kommenden Frühjahr mit Pilottests starten und HSDPA dann sukzessive im ganzen Netz einführen. Das ist kein großer technischer Aufwand, weil wir dafür keine Hardware-Umbaumaßnahmen vornehmen müssen. Uns ist wichtig, dass die Technologie stabil läuft - es geht nicht darum, wer als erster und am schnellsten HSDPA einführt. Es gibt Wettbewerber, die sich gerne mit ihren UMTS-Erfolgen schmücken. Da lohnt ein Blick hinter die Kulissen. Die Verkaufszahl hoch subventionierter UMTS-Endgeräte sagt gar nichts aus, denn letztendlich kommt es darauf an, dass Kunden UMTS-basierte Dienste auch nutzen. Und da ist die Realität bei allen Anbietern noch ziemlich ernüchternd.
Werden wir denn jemals eine annähernd so hohe Abdeckung mit UMTS sehen wie heute mit GSM?
Das ist eine schwierige Frage. Das hängt von mehreren Rahmenbedingungen ab. Eine ganz entscheidende Rahmenbedingung ist die Frage der Lizenzen. Sie wissen, dass die GSM-Lizenzen der deutschen Netzbetreiber mittelfristig auslaufen, bei T-Mobile ab 2009, bei uns im Jahr 2013. Bei einer Verlängerung des GSM-Frequenzen hat E-Plus einen klaren Standpunkt. Wir wollen auch Frequenzen im 900-Mhz-Bereich nutzen. Durch die 1800er Frequenzen liegt de facto eine Diskriminierung vor, weil wir unser Netz engmaschiger bauen müssen als die D-Netze, um eine vergleichbare Versorgung zu gewährleisten. Diesen Nachteil wollen wir abgeschafft wissen.
Geht es bei UMTS ĂĽberhaupt noch darum, Gewinn zu machen oder nur noch darum, den Verlust durch die Lizenzausgaben von 8,3 Mrd Euro zu minimieren?
Mobilfunk ist aufgrund des relativ hohen Preisniveaus in Deutschland rentabel. Fakt ist aber auch: Keiner der Anbieter würde heute nochmals über 8 Milliarden Euro für eine UMTS-Lizenz ausgeben. Aber im Jahr 2000 haben wir das getan, das kann ich nicht rückgängig machen. Also muss die Branche aus dem, was sie an technologischen Voraussetzungen und Produkten hat, etwas machen, was der Kunde auch nachfragt. Das kann auch bedeuten, dass sich Geschäftsmodelle ändern.
Und wie könnten die aussehen?
In der IP-Welt ist es, im Vergleich zur circuit-switched-Welt, erstmals möglich, den Transport vom Service zu trennen. So wie es mit Voice over IP schon passiert ist: Sie haben eine DSL-Verbindung und packen als Service Voice over IP hinzu. Wenn ich früher gesagt habe, dass wir als Netzbetreiber aufpassen müssen, nicht zur 'dummen' bitpipe zu werden, sage ich heute: Was stört mich mein Geschwätz von gestern? Wir müssen als Netzbetreiber intelligente Bit-pipe-Geschäftsmodelle anbieten. Unsere Aufgabe wird darin bestehen, dem Kunden für sein Endgerät und seine Anwendung die jeweils erforderliche Bandbreite zu günstigen Kosten und unser Netz auch anderen Playern zur Verfügung zu stellen.
Wie läuft denn das erste Bit-pipe-Angebot, nämlich die UMTS-Datenflatrate?
Sie läuft so gut, dass wir aufgrund der Nachfrage schon die ersten technischen Upgrades vornehmen mussten am so genannten Border Gateway, unserer Schnittstelle in die Internetwelt. Alles in allem kann ich sagen, die Datenflatrate kommt sehr gut an. Wir haben im ersten Monat mit diesem Angebot deutlich mehr UMTS-Kunden gewinnen können als in den Monaten vorher zusammen.
E-Plus betont, dass UMTS kein Festnetz-DSL Ersatz sein kann - dabei ist es doch nicht wesentlich langsamer, und vielen Leuten müsste es doch reichen, dass sie bei anständiger Bandbreite nicht mehr pro Online-Minute bezahlen müssen. Warum geben Sie diese Zielgruppe so schnell auf?
Wir haben nicht schnell aufgegeben. Aber auch wenn HSDPA die UMTS-Netze noch etwas schneller machen kann, in Punkto Geschwindigkeit werden mobile Technologien den festen Leitungen immer unterlegen sein. Außerdem lassen sich die Preise aus dem Festnetz im Mobilfunk nicht abbilden. Sie kriegen für 16 Euro einen DSL-Anschluss, und die Flatrate bekommt man bei einigen Anbietern heute quasi gratis dazu. Um kleine Orte wie zum Beispiel Bensberg mit UMTS zu versorgen, müsste ein Mobilfunkanbieter aber viel investieren. Und dann müssen Sie sich die Anwendungsfälle anschauen: Zuhause sitzen die Menschen abends zu bestimmten Zeiten vor dem Rechner und wollen dann auch die volle Datenbandbreite. Bei HSDPA werden wir in der Praxis auf 1 bis 2 Mbit pro Sekunde kommen. Aber wenn sich mehrere Nutzer gleichzeitig in einer Funkzelle aufhalten, sinken die Datenraten für den einzelnen Nutzer. Damit werden die Leute nicht zufrieden sein, wenn ihnen der Festnetzanbieter bis zu 20 Mbit pro Sekunde auf eine ADSL 2+ Leitung legt.
Ein großes Streitthema in der Mobilfunk-Branche ist seit langem die Frage, ob man echten offenen Internet-Zugang anbietet oder eine geschlossene Datenwelt mit nur ausgewählten Diensten. Wie ist Ihre Haltung dazu?