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Hallo Partner

Unternehmen können freilich viel mehr Nachrichten als bloß Rechnungen per Internet austauschen. Insbesondere Industriebetriebe bestehen nicht selten auf digitalem Nachrichtenaustausch, etwa für Bestellungen, Lieferankündigungen oder Statusinformationen. Hierfür hat sich eine wahre Flut branchenspezifischer Formate eingebürgert, die einem kleinen Zulieferbetrieb von Fall zu Fall hohe Entwicklungskosten bescheren können, bevor sie sich in dessen Softwarelandschaft eingliedern. Die wichtigsten Beispiele solcher Formatstandards sind GAEB (nach dem gemeinsamen Ausschuss Elektronik im Bauwesen), VDA (nach dem Verband der deutschen Automobilindustrie) mitsamt dem Datei-Übertragungsprotokoll ODETTE sowie SWIFT (der Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication), unter anderem maßgeblich für die Abwicklung von EU-Standardüberweisungen.

Der Sammelbegriff für all diese Kommunikationsformen heißt EDI (Electronic Data Interchange) und bezieht sich nur auf das Format der Nachrichten, ob diese nun per Internet oder Wählverbindung ausgetauscht werden, etwa über ein Computerfax.

Als gemeinsame Basis kristallisiert sich der von den Vereinten Nationen gepflegte Standard UN/EDIFACT heraus. Er lässt ausschließlich strukturierte Nachrichten zu, die vordefinierten Typen entsprechen und mit sechsbuchstabigen Kürzeln charakterisiert werden. Zu den vorgesehenen Botschaften gehören etwa Bestellungen, Rechnungen, Lieferankündigungen oder auch Produktdaten. Zur Übertragung ganzer Dateien, etwa von CAD-Dokumenten, eignet sich EDI nur mittelbar. Für diese Aufgabe gilt es, die Begleitinformationen wie Art und Verwendungszweck des Dokuments in eine EDI-Nachricht zu fassen und dieser die Nutzlast als Anhang mitzugeben.

Besonders bei Produktdaten liegt auf der Hand, dass verschiedene Branchen ihre ureigenen Spezialinformationen in den formalisierten Nachrichten unterbringen müssen. EDIFACT umfasst deshalb einen überaus großen Satz an Schlüsselwörtern, die vielfach nur für ganz bestimmte Anwender von Bedeutung sind. Entsprechend kommen oft abgeleitete Standards zum Einsatz, die sich auf maßgeschneiderte Teile des EDIFACT-Sprachschatzes beschränken, dafür aber leichter implementieren lassen. Beispiele dafür liefert das Industrie-Konsortium EDIFICE mit Standards wie EANCOM mit spezieller Ausrichtung auf Konsumgüter.

Ein Weg, um sich die komplizierte Einrichtung eines EDI-Nachrichtenkanals zu ersparen, führt etwa über das Netzwerk des Dienstleisters Crossgate. Dieser stellt einen kostenlosen Client zur Verfügung, mit dem man interaktiv EDI-Botschaften für Geschäftspartner aus dem Kreis von derzeit 40.000 Netzwerkteilnehmern aufbereiten kann. Der Crossgate-Server übermittelt dem Client, welche Datenfelder jeweils auszufüllen sind, schickt die kompletten Datensätze an den Server, und dieser wandelt sie zum Transport in das empfängerspezifische EDIFACT-Format um. Statt mit dem Client-Programm gelingt derselbe Arbeitsablauf auch automatisch über Module für gängige Unternehmensanwendungen. So oder so fällt nach einem Obolus für die Einrichtung eine monatliche Gebühr an Crossgate an.