Matthias Müllers großer Konzernumbau
Wie es besser geht, könnte Volkswagen von einigen seiner zwölf Marken lernen: Audi, Porsche und Skoda arbeiten wesentlich rentabler. Doch die enge Verflechtung der Firmenführung mit der Politik und der traditionell starke Betriebsrat ließen bei VW bislang keine Änderung zu.
Volkswagen investiert viel in die Forschung und Entwicklung, was grundsätzlich gut ist, aber die Kosten waren schon bisher mit 7,4 Prozent (2014) des Gesamtumsatzes vergleichsweise hoch. Der Premiumhersteller Mercedes gab dafür im gleichen Zeitraum nur 5,5 Prozent aus, BMW mit 5,7 Prozent etwa genauso wenig und beide Marken brillieren mit neuen Technologien. Branchenprimus ist aber Toyota, die nur vier Prozent des Gesamtumsatzes in die Forschung und Entwicklung investiert, aber bei Hybridantrieben und Brennstoffzellen führend ist.
Schöne neue Welt
Matthias Müller hat, als er auf den Chefposten gehievt wurde, erkannt, dass der Riesentanker Volkswagen kaum noch manövrierbar war. Sein Vorgänger Winterkorn hat versucht, ihn mit eiserner Faust zu steuern und kläglich Schiffbruch erlitten. Jetzt sollen die zwölf Marken mehr Eigenständigkeit bekommen, gewissermaßen zu wendigen Yachten werden. Die Automodelle der Marken sollen sich den Präferenzen der Weltregionen in Sachen Design und Antrieb flexibel anpassen, Elektroautos werden zukünftig einen großen Anteil an der Modellflotte haben, selbstfahrende Autos soll es in wenigen Jahren geben und die Mobilitätsdienstleistung wird massiv ausgebaut werden. Die für die Aktionäre wichtigste Ankündigung machte Müller fast zum Schluss: Die Operative Rendite des Konzerns soll von momentan sechs Prozent bis 2025 auf sieben bis acht Prozent steigen. Die Kapitalrendite im Automobilbereich soll auf über 15 Prozent klettern und die Ausschüttungsquote an die Aktionäre soll etwa 30 Prozent des Nettogewinns betragen. Matthias Müller will das Steuer kurz vor dem Abflug aus der Kurve herumreißen und Volkswagen an vielen Konkurrenten vorbei wieder weit nach vorne bringen. (fpi)