Matthias Müllers großer Konzernumbau
Nicht zuletzt deshalb und natürlich in Hinblick auf die noch ausstehenden Kosten aus dem Dieselskandal will Müller die Investitionen um jährlich eine Milliarde Euro reduzieren. Wie das bewerkstelligt werden soll, ließ der Volkswagen-Boss offen, will aber keine Kündigungen aussprechen. Im Gegenteil, er sicherte letzten Monat den 120.000 Mitarbeitern im VW-Haustarif für die nächsten 21 Monate 4,8 Prozent mehr Lohn zu. Dabei fuhr Volkswagen 2015 im operativen Ergebnis ein sattes Minus von 4,1 Milliarden Euro ein und verkaufte mit 9,93 Millionen Autos zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Ohne die bereits entstandenen und zu erwartenden Kosten für die Diesel-Affäre hätte Volkswagen laut eigener Aussage 12,8 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Es macht sich in Wolfsburg zwar vorsichtiger Optimismus breit, dass der Abgasbetrug auf das europäische Geschäft für 2016 weniger Einfluss haben wird als befürchtet, aber auf dem so wichtigen amerikanischen Markt wird Volkswagen einen sehr schweren Stand haben, weil ihr Ruf heftigen Schaden genommen hat.
Viele Modelle entfallen
Volkswagen will und muss sparen, doch auf wieviele und welche Modelle genau verzichtet werden soll, macht Müller noch keine konkreten Angaben und wird sie wahrscheinlich erst im November bekannt geben. Das schafft natürlich Raum für Spekulationen, aber einige Entscheidungen sind schon gefallen, andere gelten als sehr wahrscheinlich.
Das Cabrio Eos gibt es bereits nicht mehr, die Luxus-Limousine Phaeton ist ebenfalls eingestellt, was aus der „gläsernen Manufaktur“ in Dresden wird, ist noch offen. Autos mit schwachen Verkaufszahlen wie das Sportcoupé Scirocco dürfte ebenso dem Rotstift anheim fallen wie das Passat-Coupé CC. Der geplante Mini-SUV auf Basis des Up!, diverse angedachte Allrad-Modelle, der in Europa fast unverkäufliche Jetta und der teure Van Sharan (ihn gibt es erheblich günstiger als Seat Alhambra) werden wohl auch aufgegeben. Für den Polo und entsprechende kleine Modelle der anderen Konzern-Marken wird es höchstwahrscheinlich zukünftig keine Diesel-Motoren mehr geben. Diesel dürften dann fast nur noch in großen Autos und Nutzfahrzeugen zu finden sein.
Entgegen früheren Gerüchten wird Volkswagen an seinen zwölf Marken bis auf weiteres festhalten. Obwohl das Prestige-Objekt Bugatti noch nie Gewinn abgeworfen hat, bleibt die Marke ebenso im Konzern wie MAN Diesel & Turbo sowie der italienische Motorradhersteller Ducati. Letzterer war eines der Lieblingsprojekte des Ex-VW-Boss Ferdinand Piëch. Der bekennende Ducati-Fan wollte unbedingt eine Motorradmarke im Konzern haben. Unter der Regie von Audi mauserte sich der Motorradhersteller zu einem profitablen Unternehmen, lässt sich aber nicht unbedingt zur Kernkompetenz von Volkswagen zählen. Auch Seat kann erst einmal aufatmen. Der spanische Hersteller gilt als das Sorgenkind im Konzern und fuhr seit 2007 keinen Gewinn mehr ein.