Matthias Müllers großer Konzernumbau
Müllers Vorgänger Winterkorn und Ferdinand Piëch hatten den Fokus darauf gerichtet, Toyota als weltgrößten Autobauer abzulösen. Winterkorn verzettelte sich jedoch in seinem harschen Führungsstil und Kontrollwahn. Das berüchtigte „Konzern-Produktionskomittee“, über das sich Winterkorn permanent in Details einmischte und oft hohe Nachbesserungskosten verursachte, gibt es nicht mehr. Schließlich stolperte Winterkorn über die Abgasmanipulation, weil den Ingenieuren in einem viel zu kurzen Entwicklungszeitraum schier Unmögliches abverlangt wurde und sie die vorgegebenen Ziele nur durch die Manipulation der Software einhalten konnten.
Elektrifizierung von VW
Müller tritt ausdrücklich vom Anspruch zurück, dass Volkswagen weltgrößter Hersteller vor Toyota werden will. Denn inzwischen muss Volkswagen auch die Konkurrenz von BMW und Mercedes fürchten, die sich in der zukunftsträchtigen Elektro-Mobilität vor die Wolfsburger gesetzt haben. Genau hier sieht Müller eines der erklärten Konzernziele: 30 neue, rein elektrisch betriebene Modelle sollen bis 2025 rund ein Viertel des Gesamtabsatzes von VW ausmachen. Der Konzern hofft auf zwei bis drei Millionen verkaufter Elektroautos jährlich. Die Batterietechnik soll zur Kernkompetenz von Volkswagen werden und den zukünftigen Bedarf an Autobatterien beziffert Müller auf 150 Gigawattstunden. Zum Vergleich: Ein Gigawatt ist die Leistung eines normalen Kernkraftwerks.
Auch wenn in Deutschland das Elektroauto zurzeit noch ein klägliches Nischendasein fristet, ist das Thema in den USA, besonders aber in China von großer Bedeutung. Das Reich der Mitte erstickt in katastrophal schlechter Luft und Elektroautos könnten den Smog in den Millionen-Metropolen bremsen. Volkswagen setzt daher ab sofort verstärkt auf den sogenannten Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), der in Pkw und leichten Nutzfahrzeuge markenübergreifend eingesetzt werden soll. Die Volkswagen-Führung erklärte diesbezüglich schon zu Beginn des Jahres, „es ermöglicht besonders emotionale Fahrzeugkonzepte und erlaubt rein elektrische Reichweiten von 250 bis 500 Kilometern.“ Das wäre eine gewaltige Steigerung, bislang schaffen Elektroautos kaum mehr als 100 Kilometer am Stück. Auch plant Müller sich nicht mehr auf den Staat zu verlassen, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Fahrzeugherstellern ein flächendeckendes Netz von Schnellladestationen aufzubauen.