"Sehr abgefahren, sehr spacig, sehr cool"

Seite 9: "Sehr abgefahren, sehr spacig, sehr cool"

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Garriott: Eine Menge Leute bekommen da oben Verstopfung. Aber sogar wenn nicht, ist die Frequenz sehr, sehr niedrig. In meinen zwölf Tagen im All habe ich nur dreimal die Toilette benutzt.

Olsen: Ich erinnere mich noch an ein langes Gespräch darüber, was wir machen, wenn wir zurück sind. Ich war noch ganz begeistert davon, dass ich im All bin, aber Sergey Krikalyov und John Phillips von der NASA waren schon seit sechs Monaten oben. Sie hatten es langsam satt. Phillips sagte: "Ich will einfach Bier und Pizza." Krikalyov schloss sich an: "Ich möchte einfach Kaffee, aber nicht diesen Mist, den wir hier haben. Ich will Kaffee, den ich mir vor die Nase halten und riechen kann."

Simonyi: Die abzulösenden Mannschaften fiebern der Rückkehr entgegen. Wir hatten zwei Tage Verzögerung. Sie waren da schon gut sechs Monate oben gewesen. Ich habe mich gefreut: zwei Tage zusätzlich! Aber diese Leute sagten: "Oh nein, ich dachte, wir fliegen zurück. Ich habe von diesem Tag geträumt, und jetzt muss ich noch zwei Tage warten."

Garriott: Mein Film beginnt mit meinem Abschied von der Station. Die Leute winken und rufen "Auf Wiedersehen, Richard, auf Wiedersehen!" Dann geht es weiter mit "Mann, bin ich froh, dass wir den Typen los sind. Redet die ganze Zeit nur über Videospiele – Ultima hier, Tabula Rasa dort. Gut, dass der weg ist." Nach ein bisschen lustigem Leben an Bord stellen sie fest, dass der Sauerstoffverbrauch für die Größe der Mannschaft zu hoch ist. Also glauben sie, dass ein Alien an Bord ist und suchen danach. Stattdessen finden sie meine Mutter.

Der Rückflug zur Erde dauert vom Abkoppeln bis zur Landung dreieinhalb Stunden. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wirft die Sojus zwei ihrer drei Module ab: Das Service-Modul mit den Solarpanelen und der Kommunikationsausrüstung sowie das Wohn-Modul verglühen. Das Landemodul ist durch abschmelzende Hitzeschilden geschützt. Um es vor dem Aufprall abzubremsen, öffnen sich eine Reihe von Fallschirmen einige Kilometer über der Erdeoberfläche, und Bremsraketen zünden wenige Sekunden vor dem Aufschlag.

Garriott: Die Abreise ist traurig. Wenn man sich verabschiedet, soll man das möglichst live vor der Kamera machen, und dann wird man schnell nach draußen befördert und abgekoppelt, aus Sicherheitsgründen. Also hat man einen hektischen und gedrängten Abschied, was wirklich ziemlich tränenreich ist.

Shuttleworth: Ich fand den Flug nach unten das beste an der ganzen Sache. Rein aus physikalischer Sicht ist er ganz schön dynamisch. Der Start ist eher steril: Du bist 15 Meter von den Motoren entfernt, wo sich alles abspielt. Auf dem Rückweg dagegen sprengt sich das Gefährt selbst und zerlegt sich in all diese Stücke. Es bleibt dann dieses kleine Stück mit einem selbst darin, das direkt in die Atmosphäre eintaucht, während sich rundherum eine Art Feuerwerk abspielt. Man ist also mitten im Geschehen.

Olsen: Man muss bedenken, dass die Sojus bei der Landung nur noch ein Drittel so groß ist wie beim Start, so dass der meiste Stauraum fehlt. Sie muss sehr sorgfältig gepackt werden, weil die Gewichtsverteilung auch das aerodynamische Verhalten beeinflusst. Das ist Sache des Commanders. Bei solchen Aufgaben würde man wirklich gerne mithelfen, aber man kann nur daneben stehen und zuschauen.

Simonyi: Das Wohnmodul ist voller Abfall, der beim Wiedereintritt verbrennt. Die Müllbeutel sind beschichtet und mit Gummiringen verschlossen. Wie bei den Raumanzügen – sie sind ziemlich dicht.

Olsen: Wir haben unsere RaumanzĂĽge angezogen, sind in die Kapsel gestiegen und hatten Probleme damit, den Druck zwischen dem Wohn-Modul und dem Docking-Segment anzupassen. Eine Stunde lang haben wir es versucht, und am Ende haben sie gesagt: "Na gut, versuchen wir es so."

Simonyi: Es gibt immer diese Druck-Tests. Man könnte direkt glauben, dass das alles ist, was man auf einem Raumschiff macht. Es gibt ein sehr wichtiges Instrument, ein Manometer – im Prinzip ein Barometer, aber für niedrige Drücke. Es misst den Druck im gesamten Raumschiff. Es ist ein dickes Teil und es hat Rohre, die mit allem möglichen verbunden sind. Es könnte auch aus dem 19. Jahrhundert stammen.

Ansari: In den meisten Fällen geht irgendetwas schief.

Olsen: Beim RĂĽckflug bemerkten wir, dass der Druck abnahm. Wir wissen immer noch nicht, was los war; manche Leute glauben, dass sich ein kurzes StĂĽck Band in einer Dichtung verfangen hatte.

Simonyi: Irgendein Ventil schloss nicht richtig – keiner weiß warum. Als der Druck abnahm, fingen die Müllsäcke an zu explodieren. Können Sie sich die Sauerei vorstellen? Oh Gott!

Olsen: Am Ende sagte der Commander "Olsen, kislorod!" Das bedeutet "Sauerstoff". Ich musste zum Sauerstoff-Ventil greifen. Das ist ziemlich schwierig, weil es mit einer Feder gesichert ist. Ich hielt es etwa eine Minute lang offen, und endlich hatten wir wieder genug Druck. Aber dafür war die Luft jetzt voller Sauerstoff – normalerweise liegt der Anteil bei etwa 21 Prozent, wir kamen auf 32. Bei 40 Prozent wird in der Kabine automatisch Druck abgelassen, weil noch mehr Sauerstoff zur Selbstentzündung führen kann.