"Sehr abgefahren, sehr spacig, sehr cool"
Seite 11: "Sehr abgefahren, sehr spacig, sehr cool"
Garriott: Bei der Ausbildung lernt man, wer welche Fehler gemacht hat. So wird einem klar, dass jeder Fehler, den man selbst macht, mit dem eigenen Namen in Zusammenhang gebracht werden wird – für alle Zeiten bis zum Ende des russischen Raumfahrt-Programms.
Garriott: Leute haben schon Sachen an- oder abgeschaltet, von denen sie besser die Finger gelassen hätten. Funkgeräte wurden falsch eingestellt. Die Toilette wurde zweckentfremdet.
Simonyi: Ich glaube nicht, dass der Sinn von Raumfahrt darin besteht, die Menschen besser zu machen. Dass es einen selbst oder das Leben verändert, ist kein guter Grund dafür, ins All zu fliegen.
Shuttleworth: Es verändert jeden, wenn er ein Jahr seines Lebens in merkwürdigen Umständen verbringt. Das gehört zur menschlichen Natur. Es ist aber schwer zu sagen, was genau passiert.
Olsen: Es verändert das Leben auf subtile Weise. Ich bin nicht wahnsinnig spirituell oder sowas, aber es geht ja bei weitem nicht nur um den Flug. Man gewinnt Freunde fürs Leben.
Simonyi: Sergei [Commander Krikalyov] zum Beispiel ist ein prima Typ. Er ist so inteligent und so sportlich. Es ist einfach angenehm mit ihm zusammenzusein, und er hat so viele Facetten. Die Leute machen sich gar nicht klar, wieviele Leute mehrmals geflogen sind. Die Top-10 haben zusammen 60 Missionen hinter sich – das macht sechs pro Person.
Ansari: Du bist da draußen im All, schaust auf die Erde und irgendwie auch auf dein Leben zurück, auf dich selbst, was du geschafft hast. Man denkt über alles nach, was man hat, liebt oder wofür man sich interessiert, und über alles, was sonst so auf der Welt passiert. Man hat ein größeres Bild, denkt eher im globalen Maßstab.
Im Oktober 2008 hat Charles Simonyi seine Fünf-Millionen-Dollar-Option auf eine weitere Reise zur ISS eingelöst. Der Flug ist für dieses Frühjahr geplant. Ab 2010 will Russland auf regulären ISS-Flügen allerdings keine Touristen mehr mitnehmen. Durch die geplante Verstärkung der ISS-Besatzung von drei auf sechs Personen und die geplante Außerdienststellung der Spaceshuttles müssen die Sojus-Raumfähren mehr Transporte übernehmen und haben keine freien Kapazitäten mehr. Space Adventures hat jedoch nach eigenen Angaben ein Abkommen mit der russischen Weltraumagentur Roscosmos geschlossen, wonach beide Partner ab 2011 rein private Flüge anbieten wollen – in einer eigens dafür entwickelten Sojuz-Rakete mit Platz für zwei Passagiere. (bsc)