"Sehr abgefahren, sehr spacig, sehr cool"
Seite 2: "Sehr abgefahren, sehr spacig, sehr cool"
Simonyi: Ich habe lange für die Entscheidung gebraucht, dass ich mitfliege. Ich war vorher zweimal als normaler Tourist in Baikonur. Bei einem Start dabei zu sein, ist allein schon wegen der Zugangsmöglichkeiten fantastisch. Wir haben direkt neben der komplett vollgetankten Rakete gefeiert, wir konnten sie fast berühren. Wir haben gelacht, geredet und den Astronauten Grüße zugerufen. Das beruhigt enorm. Man weiß, etwas neben dem man feiern kann, ist nicht gefährlich. Es ist ein bisschen, als wenn man ins Kino geht und sieht wie der Schauspieler die Frau küsst, und der Regisseur sagt: "Das kannst du auch machen". Ich sagte: "Sie machen Scherze." Und dann sagte Anderson: "Nein, nein. Wir arbeiten gerade mit einem Kunden zusammen."
Olsen: Ich hatte mal eine kollabierte Lunge. Das hat sie natürlich ziemlich nervös gemacht. Gab ein ziemliches Theater. Letztlich haben sie mich in das Programm aufgenommen. Im April 2004 habe ich mit dem Training begonnen.
Ansari: Ich habe als Reservefrau mit dem Training begonnen, ich wusste nicht einmal, ob ich fliegen wĂĽrde. Simonyi hatte schon einen festen Platz
Shuttleworth: Ich musste mir in Star City eine Support-Mannschaft organisieren. Denn noch einmal, von Space Adventures kam nichts. Mein Team war so ähnlich angelegt wie die kleinen Büros der ESA und der NASA dort, nur viel kleiner.
Simonyi: Inzwischen haben sie dieses Programm geschaffen [den Orbital Mission Explorers Circle]. Man bezahlt und bekommt dafür eine Option auf einen Platz in der Kapsel. Man investiert in eine Position in der Warteschlange, und jedesmal wenn man an der Reihe wäre, kann man den Platz nehmen oder darauf verzichten. Man kann die Option auch handeln – man kann sie verkaufen für was auch immer dafür zu holen ist. Allerdings ist der Markt sehr dünn. Wahrscheinlich hat es noch gar keine solchen Geschäfte gegeben. Die erste Option hat [der Google-Mitgründer] Sergey Brin gekauft.
Shuttleworth: Zu meiner Zeit war der offizielle Preis 20 Millionen Dollar. Was man tatsächlich bezahlt, ist aber etwas variabler.
Garriott: Ich bin leider ein Insider, deshalb kann ich keinen Preisnachlass bekommen. Ich habe 30 Millionen Dollar gezahlt.
Simonyi: Der Preis ist 35 Millionen Dollar. FrĂĽher kostete es 25, jetzt 35. Die Option kostet viel weniger. Ich habe schon eine Option gekauft . Ich dachte mir "Zum Teufel, vielleicht will ich ja nochmal hoch!"
Ansari: Drei Wochen vor dem Flug wurde Dice-K [Daisuke Enomoto], also das Besatzungsmitglied, das ursprünglich mitfliegen sollte, krank und fiel durch einen der medizinischen Tests. Deshalb boten sie mir seinen Platz an. Sie können sich vorstellen, dass solche Gelegenheiten nicht oft kommen. Also musste ich ohne Zögern ja sagen.
Jeder, der sich für eine Reise zur ISS entscheidet, muss mindestens drei Monate in Star City in der Nähe von Moskau trainieren und Russisch lernen, um den Kommandos beim Start und der Landung folgen zu können.
Olsen: Star City war früher ein Luftwaffen-Stützpunkt, jetzt ist es eine Schule für Kosmonauten. Eine waldige Siedlung auf einem See, mit ungefähr 3000 Leuten – ein idyllischer Ort.
Ansari: Wenn man nach Star City kommt, trifft man auf einen niedrigen Standard, manchmal auch auf gar keinen. Alles steht kurz davor zusammenzubrechen.
Garriott: An alt ist nichts auszusetzen. Ich war während schwieriger Zeiten bei der NASA und habe dort auch einiges in schlechtem Zustand gesehen.
Ansari: An meinem ersten Tag gab es kein warmes Wasser. Am nächsten Tag gab es auch kein warmes Wasser. Ich ging ins Fitnessstudio und duschte dort. Schließlich ging ich runter und fragte: "Wissen Sie, wann es wieder warmes Wasser geben wird?" und sie sagten: "Ja, ungefähr in einem Monat".
Olsen: Die Rohre waren ein bisschen verrostet, also musste ich mich darum kĂĽmmern und sie reparieren. Aber das hat mir nichts ausgemacht.
Ansari: Wenn man den Wasserhahn aufdreht, kommt braunes rostiges Wasser heraus. Wenn man es 15 Minuten laufen lässt, wird es langsam klar, und man kann eine anständige saubere Dusche nehmen. Ich habe dort gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Zuhause gehe ich in zehn verschiedene Läden, nur um das eine eine Shampoo zu bekommen, an das ich gewöhnt bin.
Olsen: Die Sachen sind wirklich billig in dem Laden auf der Basis. Brot zum Beispiel kostet vielleicht 20 US-Cent. Ich habe in der Kosmonauten-Cafeteria gegessen. Tee, harte Eier und Gulasch waren ein typisches FrĂĽhstĂĽck, aber ich habe einfach mitgemacht. Ich war ja nicht dort, um wie ein Amerikaner zu leben.
Simonyi: Ich bin in Ungarn aufgewachsen. Außerdem bin ich Programmierer, also esse ich alles. Das Essen war völlig in Ordnung.
Olsen: Ich bin im Kalten Krieg aufgewachsen. Plötzlich lebte ich beim "Feind", verstehen Sie? Es war ein Kulturschock.