Sechs Kurbelradios fĂĽr den Notfall im Test
Seite 2: Akkus und Notfall-Gimmicks
Analoge Radios sind Stromsparwunder. Mit einem geladenen Akku laufen sie mehrere Tage lang, sofern man die Zusatzfunktionen nicht einschaltet. Ruckzuck leer sind die Geräte aber, wenn man sie als Powerbank benutzt. Selbst die Modelle mit den größten Akkus laden ein Smartphone nicht einmal bis zur Hälfte. Hinzu kommt, dass bei etlichen der getesteten Notfallradios unter höheren Stromentnahmen als rund 1 Ampere die Spannung zusammenbrach.
Wenn Sie das Radio dringend brauchen und der Akku leer ist, können Sie es mit der Kurbel aufladen. Das ist mühsam. Die Kurbeln sind recht schwergängig, der Dynamo surrt sehr laut und die Ladedauer ist lang. Rund eine Minute müssen Sie kurbeln, um fünf bis zehn Minuten Radio hören zu können. Das Renkforce-Gerät erwachte gar erst nach vier Minuten Kurbelei zum Leben. Generell gilt: Wenn der Akku vollkommen entleert ist, muss man länger kurbeln, um die Geräte über die Spannungsschwelle zu heben, die Radioempfang erlaubt.
Komfortabler ist das Aufladen mithilfe der in allen Geräten eingebauten Solarzellen. Die wenigen Quadratzentimeter reichen aber selbst bei praller Sonne gerade dazu aus, Radio zu hören und vielleicht noch ein wenig Energie für die Nachtstunden in den Akku zu puffern. Den Akku per Sonnenlicht vollzuladen, das haben wir im Testzeitraum im Mai des Jahres 2022 trotz schönstem Wetter nicht geschafft.
Ganz nutzlos sind die kleinen Panels aber nicht. Den bescheidenen Ladeeffekt kann man sich zunutze machen, indem man sein Notfallradio nicht in die dunkle Schublade legt, sondern an einen hellen Platz wie etwa eine Fensterbank und die Solarzellen zum Licht hin ausrichtet. Der so gewonnene Strom reicht allemal, um die ĂĽbliche schleichende Entladung zu kompensieren. Damit bleibt es jahrelang betriebsbereit.
Einige der Geräte haben zusätzlich zum meist fest eingebauten Lithium-Ionen-Akku ein Batteriefach für drei AA- oder AAA-Zellen. Mit einem Schalter kann man zwischen Akku und Einwegbatterien wechseln. Mit Einwegbatterien können Sie den Betrieb des Radios langfristig sicherstellen, denn austauschen müssen Sie diese nur etwa alle fünf Jahre.
Da alle getesteten Geräte einen 5-Volt-Ladeanschluss mit Mikro-USB-Buchse haben, können Sie sie darüber auch mit einer externen Powerbank aufladen. Diese gibt es typischerweise mit 5 bis 20 Amperestunden. Insgesamt ist mit Powerbanks, Einwegbatterien, Solarzelle und Kurbel ziemlich gut dafür gesorgt, dass das Radio immer Saft hat.
Ein Problem hat allerdings jedes Radio: Sobald seine Powerbank-Elektronik Strom an angeschlossene Geräte abgibt, verhagelt sie den Empfang. Die Elektronik erzeugt offenbar massive Störungen. Beim Modell von Degen regelt man deswegen über einen Schalter, ob das Gerät als Powerbank oder als Radio dienen soll. Bei anderen Modellen rauscht es vernehmlich, wenn die Powerbank im Hintergrund arbeitet, und schwache Sender verschwinden im Rauschen.
Notfall-Gimmicks
Was so ein richtiges Notfallradio sein will, muss natürlich auch noch diverse nützliche Notfallfunktionen anbieten: etwa eine Notfallsirene, eine Notfallleuchte oder ein Notfallleselicht. Derlei boten auch alle getesteten Geräte – wir vermissten nur ein Feuerzeug, einen Korkenzieher und einen integrierten Grill.
Scherz beiseite: Was man im Alltag als Spielzeug belächeln mag, kann im Falle des Falles sinnvoll sein. Die funzelig anmutenden LED-Leuchten können die Rettung sein, wenn man nachts bei Stromausfall in der Wohnung bestimmte Dinge finden muss, etwa den gepackten Notfallrucksack. Auch eine noch so quäkige Sirene kann sinnvoll sein, um sich in Notlagen bemerkbar zu machen, ohne sich die Seele aus dem Leib rufen zu müssen.