Leicht bergauf im Sauseschritt

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Die Möglichkeit, ein Fahrrad mit einem Software-Update auf den aktuellen Stand zu bringen, ist ungewöhnlich – bei Bosch kein Problem. Das war auch nötig, denn auf der Tour verweigerte das System an manchem Morgen nach dem Einschalten den Dienst und deaktivierte sich nach einer Sekunde. Erst mehrfaches Aus- und Wiedereinschalten, verbunden mit dem Aus- und Wiedereinstöpseln des Akkus, brachte die Elektronik wieder zum Laufen. Gern zeigte das Display bei diesen kurzfristigen Initialisierungs-Streiks die Fehlermeldung "033" – übersetzt Kommunikationsprobleme. Der CAN-Bus steht hier anscheinend für die Tücken aufwendiger Technik. Immerhin ließen sich diese Aussetzer durchweg mit Bordmitteln beheben.

Verstimmt reagierte das Rad auch auf eine mehrere 100 m lange Abfahrt mit steilem Gefälle und entsprechend hoher Geschwindigkeit. Der Tacho zeigte über 40 km/h an, was den Bosch-Antrieb zum Abschalten brachte. Erst eine minutenlange Zwangspause mit mehrfachem Aus- und Einschalten führte wieder zu einer erwartungsgemäßen Funktion.

Nach der Rückkehr offenbarte das Bosch-Service-System in der Werkstatt von e-motion eine ellenlange Fehlerliste, die im System gespeichert worden war und die belegte, dass auf der Tour manches nicht erwartungsgemäß funktioniert hatte. Nachdem diese Fehlerliste abgearbeitet und ein Software-Update eingespielt war, lief das System laut Techniker ohne Beanstandungen.

Das Fahren mit elektrischer Beihilfe verwöhnt. Die ungewohnten Reichweiten von 70 km und mehr – sonst ist für den Testradler spätestens nach 35 km Feierabend – und die für Gelegenheits-Sportler beeindruckend hohe Durchschnittsgeschwindigkeit weit oberhalb der 20-km/h-Marke sprechen für dieses komfortable und kraftvolle Antriebssystem. Die Akku-Kapazität genügte auch für längere, Fahrer und Technik deutlich beanspruchende Etappen – wenn man einen Zwischenstopp zum Nachladen einplante. Abgesehen von den beschriebenen Eigenheiten, die auf Software-Probleme oder einen vielleicht nässebedingten Wackelkontakt zurückzuführen waren, arbeitete das Bosch-Pedelec tadellos, einfühlsam und drehmomentstark – selbst als Abschlepper. Vor diesem Hintergrund klingt es gar nicht so erstaunlich, wenn E-Bike-Händler Praetze meint: „In fünf Jahren fährt vielleicht die Hälfte der neu verkauften Fahrräder mit Elektroantrieb.“

Zurück zur Test-Tour: Schon nach wenigen Tagen war das Gespür für eine nicht unterstützte Fahrtechnik geschwunden. Das Abschalten des Antriebes, gar der Wechsel auf ein Fahrrad ohne Elektromotor führte unweigerlich zu dem Eindruck, da stimme etwas nicht: „Die Bremsen sind doch irgendwie blockiert, da muss was klemmen, das schleift doch irgendwie, wieso geht das so schwer ...“

Die nächste Tour läuft wieder elektrisch.

Der Autor dieses Berichts fährt von Kindesbeinen an Fahrrad. Er hat außerdem die Fahrerlaubnis für alle zivilen Fahrzeugarten (Pkw, Lkw, Motorrad) und arbeitet im Hauptberuf als Redakteur der c’t in Hannover. (ggo)