Leicht bergauf im Sauseschritt

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Der Elektroantrieb macht das Rad rund 4 kg (Motor-Einheit) und weitere 2,5 kg für den Akku schwerer; für weite Strecken, auf denen man zwischendurch nachladen möchte, kommt das rund ein Kilo schwere Netzgerät hinzu – insgesamt also ein technischer Ballast von rund siebeneinhalb Kilogramm. Das Schaltnetzteil lädt den Akku umschaltbar mit 1 oder 4 A Ladestrom, was nach maximal 2,5 Stunden wieder einen vollen Akku beschert. Ein Ladevorgang mit 4 A wird von leisem Gebläsegeräusch begleitet.

Das Innenleben des Systems zeigen zwei Videoclips im Web (Antriebseinheit / Batterie). Dort sieht man, dass der eigentliche Elektromotor im Antriebsmodul erstaunlich klein ausfällt (allerdings schiebt der Demonteur bei 7:26 min nur den Rotor aus der Antriebseinheit, nicht den kompletten Elektromotor, dessen Stator-Teil mit den Wicklungen im Gehäuse verbleibt).

Die Leistungsdaten auf dem Flyer der Bosch-Produktextperten klingen ja durchaus interessant. Doch spannender ist die Frage, ob das System im praktischen Einsatz halten kann, was das Papier verspricht. Für einen ausgedehnten Fahrversuch wählten wir ein recht verbreitetes Modell mit Bosch-Mittelmotor aus (Raleigh Stoker B), charterten dieses Rad samt Ladegerät bei e-motion in Hannover und befuhren damit den Oder-Neisse-Radweg von Zittau bis Usedom entlang der deutsch-polnischen Grenze.

Im direkten Vergleich mit den Alu-Bikes der Mitfahrer wirkte das rund 25 kg schwere Stoker-Rad zunächst ziemlich unhandlich. Angesichts der erwarteten technischen Hilfe hatte der Testradler beim Zusammenstellen des Reisegepäcks recht großzügig ausgewählt – nach dem Motto: Der Motor wirds schon ziehen. Immerhin erfolgte die An- und Rückreise zur Teststrecke akku- und muskelschonend per Bahn, was spätestens beim Überwinden von Bahnhofs-Treppen und Regional-Express-Türen das Gewicht des E-Bikes direkt erfahrbar machte.

Die ersten Fahrversuche im Stadtgebiet brachten Überraschendes zu Tage: Selbst der sparsame Eco-Modus bringt eine spürbare Entlastung. Das Bosch-System macht das gefahrene Rad zwar deutlich schwerer, aber trotzdem nicht weniger wendig – es sei denn, man muss den Elektro-Drahtesel tragen. Der unterhalb des Tretlagers positionierte Antriebsblock lässt den Schwerpunkt des Fahrrades erfreulich tief liegen. Die Bedienung erfolgt weitgehend intuitiv, ein Umlernen ist höchstens insofern notwendig, als man sich an die nachdrückliche Unterstützung des Motors gewöhnen muss. Hebel, Knöpfe, Schalter – sind vorhanden, erschweren aber den Umgang mit der Technik nicht.

Zu Beginn der zehn Tage währenden, rund 500 km langen Tour galt zunächst die Devise: Hauptsache den Akku nicht leerfahren – denn der wurde anfangs nur über Nacht im Hotel geladen. Doch je öfter sich der Wunsch, das Ladegerät in einem Eis-Cafè oder einem Restaurant an eine Steckdose koppeln zu dürfen, als problemlos erfüllbar erwies, desto weniger Zurückhaltung kam bei der Wahl des Unterstützungs-Modus auf. Mit fortschreitender Tour-Dauer zeigte das Bedienteil denn auch immer öfter die eher stromfressenden Modi "Sport" oder "Speed" statt der sparsamen Modi "Eco" oder "Tour" an.