Meldeportal fĂĽr Patienten: "Laie ist Experte in eigener Sache"
Seite 4: "Es fehlt an Ressourcen, zum Beispiel im Terminmanagement"
Haben Sie bereits Bereiche identifiziert, in denen dringender Handlungsbedarf besteht?
Zunächst werden viele der bisher festgestellten Defizite auch mit den Berichten der Versicherten fundiert: die Menschen berichten, dass es an Ressourcen fehlt. Ein Beispiel ist das Terminmanagement. Berichtet wird, dass Ärzte für GKV-Versicherte nicht erreichbar sind. Es gibt ein Problem mit der Terminvergabe bei Fachärzten. Das Problem ist theoretisch längst bekannt, die Meldungen belegen die praktische Relevanz und die große Not der Menschen.
In Bezug auf die Sicherheitskultur müssen wir noch einige grundsätzliche Dinge weiter klären. Es ist wichtig zu erkennen, dass wir es nicht mit Laienberichten zu tun haben und diese Berichte wertvoll sind. Auch die Behandelnden sollen von diesen Systemen profitieren. Sie haben den Beruf gewählt, um Menschen zu helfen. Bei Fehlern sind sie immer auch Opfer ("second victim"). Wenn Fehler sichtbar werden, können Schwachstellen im System besser erkannt und Fehlerquellen reduziert werden. Wir haben 2020 mit einen System für Long-Covid-Patienten begonnen. In dem jetzigen System können alle Belange berichtet werden. Die Zielgruppe heute sind die Versicherten der Ersatzkassen. Bald sollte es selbstverständlich sein, dass alle Patienten digital unterstützt Feedback zu jeder Behandlung geben können. Auf Seiten der Behandlungsteams benötigen wir die Einrichtung und den Betrieb eines sogenannten Never-Event-Registers möglichst umgehend.
Der Betrieb von Never-Event-Registern wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO von allen Mitgliedsländern gefordert. Bis spätestens 2030 sollen in 90% aller Mitgliedsländer derartige Systeme zum Ausbau der Patientensicherheit in Betrieb sein. Bis dahin soll der Umsetzungsstand alle zwei Jahre vom Generaldirektor der WHO berichtet werden. Bis jetzt gibt es in Deutschland kein Never-Event Register obschon es seit Jahren gefordert wird. Die Zeit dafür ist überreif: Als DGPS werden wir daher ein Pilotprojekt vorschlagen und das mit ausgewählten Kliniken und möglichst auch mit Arztpraxen testen.
Wer befĂĽllt das Never-Event-Register?
Beim Never-Event-Register sind die Leistungserbringer, also Kliniken oder Arztpraxen, selbst gefordert. Die Meldungen müssen freiwillig sein, die Analysen erfolgen vertraulich und Ergebnisse werden anonym dargestellt. Primäres Ziel des Registers sind u.E. die Empfehlungen zur Prävention der berichteten Never Events. Nicht die Anzahl der Ereignisse ist interessant, sondern was mit den Erkenntnissen zur Vermeidung zukünftiger Risiken geleistet wird. Ein derartiges Register sollte daher auch hilfreich bei der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen sein.