Meldeportal fĂĽr Patienten: "Laie ist Experte in eigener Sache"

Seite 2: "Laie ist Experte in eigener Sache"

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Unser Portal zeigt und nutzt, dass der Laie " Experte in eigener Sache" ist. Die Sorge, um es positiv zu formulieren, dass man keinen zusätzlichen Nutzen generieren kann, konnten wir nicht bestätigen. Und ich möchte noch einmal unterstreichen, was aus meiner Sicht das Wichtigste ist: Es zeigt sich ein Bedürfnis der Menschen, ihr Wissen zu teilen. Wenn ihnen etwas passiert, was schrecklich ist, dann ist der Wunsch spürbar, sich mitzuteilen, sich auszutauschen mit dem Appell an die Behandelnden oder auch an das gesamte Gesundheitssystem: Macht etwas aus meinen Erfahrungen, damit das anderen Menschen in Zukunft nicht mehr passiert. Dieses Bedürfnis der Menschen erfüllen wir mit dem Portal.

Die Motivation der Menschen, die dort berichten, ist die zukünftige Vermeidung des eigenen Leids. Ihnen geht es nicht darum, Geld für Ihre Meldungen zu bekommen oder jemanden zu verklagen, die Menschen wollen Aufklärung und dass an den berichteten problematischen Stellen im System nachgebessert wird. Zum Beispiel: Hier bin ich aus Versehen doppelt geimpft worden, kümmert euch darum und schaut, dass ihr das abstellt. Also es ist notwendig und sinnvoll, nicht nur die Stimme des Patienten zu stärken, sondern diesen Stimmen im Gesundheitssystem auch Gehör zu verschaffen.

Gab es auch schon Ärzte, die sich aufgrund der Existenz des Portals beschwert haben? Beispielsweise, weil Rückschlüsse auf sie hätte gezogen werden können?

Nein, das hat es nicht gegeben. Es gibt auch keinen Grund dafür, weil die Berichte so aufbereitet sind, dass keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich werden. Es gab aber Anfeindungen, weil, wie schon erwähnt, gesagt wurde, die Patienten oder Laien könnten sowieso nichts beitragen. Dabei sind Patienten die einzigen Personen, die während des gesamten Behandlungsprozesses anwesend sind.

Eine weitere Kritik beziehungsweise Unterstellung kommt von der Versicherungswirtschaft. Demnach soll das Portal die Klagebereitschaft erhöhen und zur Eskalation von juristischen Verfahren beitragen. Dies ist jedoch bisher nicht eingetreten. Eher das Gegenteil ist der Fall. Versicherte fühlen sich wahrgenommen und sind zufriedener, wenn sie und ihre Anliegen ernst genommen werden. Die Rückmeldemöglichkeiten führen zu einer De-Eskalation von juristischen Verfahren.

Gibt es noch weitere Ziele?

Aus den Meldungen erkennen wir "wo die Menschen der Schuh drĂĽckt". Auf dieser Basis erstellen wir sogenannte Versicherten-Tipps mit Empfehlungen, wie in den problematischen Situationen umgegangen werden kann beziehungsweise wie es erst gar nicht zu den problematischen Situationen kommen kann. Aus den Daten des Berichts werden so Taten zur Vermeidung von unerwĂĽnschten Ereignissen.

Wie viele Patienten haben bereits Feedback gegeben?

Seit dem Start von Patientensicherheit.de Mitte Februar haben wir über 1.400 Rückmeldungen erhalten. Zum Vergleich: Spezielle Rückmeldesysteme für Ärzte im niedergelassenen Bereich haben in den letzten Jahren durchschnittlich 55 Fälle pro Jahr generiert.