Zündender Ideengeber: Zum 150. Geburtstag von Rudolf Diesel

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Erst dem deutschen Ingenieur mit dem außergewöhnlichen Namen Prosper L'Orange gelingt es durch die Erfindung des Vorkammer-Prinzips, den Diesel zum schnell laufenden Fahrzeugantrieb zu machen. In jener Vorkammer, einem Vorraum des Zylinders, verbrennt nach der Einspritzung ein kleiner Teil des Dieselkraftstoffs aufgrund des Kontakts mit der heißen Kammerwand. Dadurch entsteht ein sehr hoher Druck, der das übrige Gemisch in den Zylinder hineintreibt und dort für eine schnelle Verbrennung sorgt. So sind deutlich höhere Umdrehungszahlen möglich. Verbesserungen bei der Kraftstoffeinspritzung führen dazu, dass die Firma Benz im Jahr 1923 den ersten Diesel-Lastwagen der Welt vorstellt, MAN folgt kurz darauf. Ende 1935 beginnt bei Mercedes-Benz die Serienproduktion des ersten Diesel-Pkw der Welt. Der Mercedes 260 D wird erstmals auf der IAA 1936 in Berlin der Öffentlichkeit gezeigt, auch Hanomag zeigt ein Dieselauto. Der Rekord Diesel ist aber erst ab 1937 lieferbar.

In den folgenden Jahrzehnten entwickeln sich Diesel-Pkw kaum: Leistet der Mercedes 260 D immerhin 45 PS, wurden daraus drei Jahrzehnte später im Mercedes 200 D/8 (W 115) gerade einmal 55 PS. Erst 1986 erfolgt mit dem ersten Diesel-Direkteinspritzer für Pkw im Fiat Croma ein Quantensprung, den Audi ab 1989 unter der Bezeichnung TDI auf breiter Front einführt. Nun verlieren die Autos mit Selbstzünder ihr Phlegma, ohne an Sparsamkeit einzubüßen und rennen bei Bedarf über 200 km/h schnell.

Mehr Laufruhe bringt das 1997 von Fiat und Mercedes eingeführte Common-Rail-Prinzip. Hierbei kommt ein zentraler Druckspeicher zum Einsatz, von dem aus über ein Rohrleitungssystem (Common Rail) der Kraftstoff zu den Zylindern geführt wird. Als Rußpartikel- und Stickoxid-Schleuder gescholten, hat sich auch das Emissionsverhalten moderner Selbstzünder deutlich gebessert – möglich machen das neben Hochdruck-Common-Rail-Systemen Verfahren zur Stickoxid-Reduktion wie Daimlers Bluetec und Rußpartikelfilter – so sie denn funktionieren :…

Sogar beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans triumphierte 2006 mit dem Audi R10 TDI ein Selbstzünder. Audi bringt im Diesel-Jubiläumsjahr auch den bislang stärksten Diesel-Pkw auf den Markt: Aus zwölf Zylindern und sechs Litern Hubraum schöpft der Audi Q7 V12 TDI Quattro eine Leistung von 500 PS und ein Drehmoment von 1000 Newtonmeter. In einem Mercedes 170 D aus dem Jahr 1949 waren es noch bescheidene 98 Newtonmeter. Die Stadt Augsburg und die Firma MAN Diesel begehen das Jahr 2008 mit einem reichhaltigen Programm und vielen Veranstaltungen. Mit welcher Leidenschaft Rudolf Diesel an seiner Erfindung arbeitete, veranschaulicht dieses Zitat: "Mein Motor ist ja eine eiserne Jungfrau, die ich geliebt habe und noch liebe". Keine Frage, diese eiserne Jungfrau hat sich prächtig entwickelt. (rh)