Little Brother

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S-Version kaufen? Tja. 265 PS hat die Grundversion. Das ist zu wenig für das Leergewicht von rund 1,4 Tonnen. Der Punkt ist nur leider: Die 315 PS der S-Version sind immer noch spürbar zu wenig. Dieses Chassis braucht eigentlich den 400-PS-Motor aus dem 911 Carrera S, zumindest bergauf. Aber da Porsche uns diesen Wunsch erst erfüllen wird, wenn der 911 längst über 500 PS hat, lohnt sich zwischenzeitlich die Überlegung, ob man sich 50 PS, über 10.000 Euro und das Plastik-S auf dem Kofferraum spart und einfach engere Sträßchen sucht. Es ist eine Revierentscheidung. In Schwarzwald oder Vogesen werden Ortskundige auch mit 265 PS froh – zumindest bergab. Wer in der Eifel wohnt mit ihren großen Kurvenradien, wird zur S-Version tendieren und die sofort zum Motormacher bringen.

Die Nennleistung führt dazu, dass die Schaltvorgänge möglichst erst drei Umdrehungen vor dem Begrenzer stattfinden, und das wiederum führt zu einem entsprechenden Verbrauch: Ich habe auf einem reinen Landstraßen-Stück 19,8 Liter auf 100 km gemessen, trotz Warmstart an der Tankstelle. Sparsames auf Mitten-Drehmoment surfen ist hier mangels eines solchen Mitten-Drehmoments einfach nicht.

Leider kommt jetzt eine Kröte. Für die aktuelle Boxster-Generation gibt es ein Sperrdifferenzial, wahrscheinlich, seit Porsche gemerkt hat, dass außer Yuppies auch Fahrer dieses Auto kaufen und sich die Sperre sonst woanders holten als in ihrem Konfigurator. "Kein Sperrdifferenzial" stand auf der Liste der Kastrationsmaßnahmen zur Begründung der Mittelmotor-Linie, behaupte ich, also freuen wir uns, dass diese finsteren Zeiten vorbei sind. Das System kostet allerdings: Porsche bietet es zusammen mit Torque Vectoring (PTV) für 1309 € an, und PTV verkaufen sie nur zusammen mit dem aktiven Fahrwerk PASM (1428 €) oder dem Sportfahrwerk (1011,50 €) an. Von Porsches Preispolitik können Steuereintreiber in Schurkenstaaten noch viel lernen.

Das PTV (gibt es auch in anderen Porsche-Modellen) bremst übrigens das kurveninnere Rad, um das Auto in die Kurve zu ziehen; abhängig von Lenkeinschlag. Wenn sich das Lenkgefühl einmal an diesen Eingriff gewöhnt hat, funktioniert das sehr gut. Persönlich hätte ich bei der gewollten Handarbeit des Landstraßenfegens dennoch auf so ein System verzichten können, nicht aber auf die Differenzialsperre. In Kauf nehmen: Dieses Sperrdifferenzial verbraucht also außer mehr Reifen auch mehr Bremsbeläge.

Das Geld kann man anderswo sparen. Porsches Infotainment-System PCM beispielsweise ist mir sehr sympathisch, weil für die Entwickler des Touchscreens galt: "Ab 60 ms fängt das Warten an." Mehr Geduld habe ich wirklich nicht. Es ist mein liebstes Infotainment-System, aber ich würde es nicht kaufen, weil es 3147,55 € kostet, die ich für mein PTV brauche. Schade, denn der Stereo-Effekt ist perfekt auf den Fahrer zentriert, selbst die Bassdarstellung ist gut. Ich möchte die Kradistenalternative vorschlagen: Apple iPod nano (130 €) oder ein vorhandenes Smartphone (0 €) plus ein Paar Sennheiser CX 300 II (55 €) ins Ohr. Dazu als Navi vielleicht ein Tomtom Rider (ab 200 €), das kann kurvige Strecken finden. Kostet weniger, wiegt weniger.