GM, Ford und Chrysler vor dem US-Senat
Seite 3: GM, Ford und Chrysler vor dem US-Senat
Wenn man das Scheitern von GM, Ford und Chrysler zulassen würde, würden sie wahrscheinlich dem „Toyota-Modell“ in der Produktion folgen, also die Arbeiter mehrfach qualifizieren, Fertigungsstraßen zusammenfassen und effizienter machen und gezwungenermaßen Produkte schneller auf den Markt bringen. Gary Chaison von der Clark University in Worcester, Massachusetts, meint dagegen, dass ein Bankrott der US-Autobauer ausländischen Herstellern im Süden der USA eine Menge Chancen eröffnen würde.
Rettungsmüdigkeit
Nach Meinung der kanadischen Zeitung Toronto Star sehen sich die Vertreter der Automobilindustrie zunehmend mit einer „Bailout Fatigue“ der Politiker konfrontiert, also einer Art Rettungsmüdigkeit, von der mittlerweile selbst die Demokraten erfasst seien, nachdem sie vor kaum zwei Monaten mit dem Gefühl den Bankenrettungsplan mitgetragen hatten, dass man ihnen eine Pistole an den Kopf halte. Der aus Connecticut stammende Demokrat Christopher Dodd sagte vor dem Senat, dass alle drei angetretenen Unternehmenschefs Unternehmen führten, die bisher keinerlei Visionskraft gezeigt hätten und wollte wissen, ob sie denn keine Fehler gemacht hätten. Chrysler-Chef Nardelli habe geantwortet: „Wir haben wohl den Fehler gemacht, auf Kunden zu reagieren, die größere und PS-stärkere Autos wollten … und wir sind diesem Bedarf hinterhergejagt.“
Zu viele Häuser, zu viele Autos
Peter Morici, ein Wirtschaftsprofessor aus Maryland, sagte gegenüber den Senatoren, dass die Automobilindustrie früher oder später eine schmerzhafte Restrukturierung wird durchlaufen müssen. „Amerika hat zu viele Autos, wie es zu viele Häuser hat“. Der republikanische Senator Shelby hat derweil auf dem Fernsehsender CBS konkretisiert, welche Maßnahmen er für richtig halten würde. Der Autoindustrie 25 Milliarden Dollar zuzugestehen, sei nicht mehr als eine lebenserhaltende Maßnahme. Den Bankrott zu erklären, könnte die bessere Wahl sein und „ich habe nicht den Eindruck, dass die Autohersteller vorhaben, ihr Geschäftsmodell zu ändern – welches ein gescheitertes Modell ist“. Der Autoindustrie könne nicht geholfen werden, solange nicht das Management ausgetauscht und das Produktionsmodell renoviert werde.