Fahrbericht: Nissan Micra

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Meiner Ansicht hat Nissan dabei aber zu einseitig auf Sportlichkeit gesetzt. Das ist leider gerade in Mode beim Kleinwagenbau. Insbesondere da Nissan auch Kunden der Generation 50+ mit dem Micra ansprechen will, erscheint diese Abstimmung gewagt. Das straffe Fahrwerk passt auch nicht wirklich zur hohen Sitzposition. Der Turbobenziner, für den Nissan mit 70 Prozent Marktanteil rechnet, ist zudem nicht die ideale Antriebsquelle für flottes Fahren. Dafür ist der kleine Dreizylinder zu träge. So hinterlässt der Micra letztlich ein unharmonisches Bild.

Als einziges Fahrzeug im Segment kann der Micra mit einem aktiven Spurhalte-Assistenten ausgestattet werden. Wenn man im flachen Winkel auf die Fahrbahnmarkierung zusteuert, und man reagiert nicht auf die Lenkradvibration, wird das fahrbahninnere Rad leicht angebremst und das Fahrzeug in die Spur eingedreht. Bei der Ausfahrt fühlte sich das wie Untersteuern an. Bei einem zu spitzen Winkel merkt man davon gar nichts. Man überfährt die Markierung ungehindert. Wie meistens bei solchen Systemen brauchte ich ein wenig, um das Sicherheitsplus nicht mit einem Fahrdynamik-Minus zu verwechseln. Der aktive Bremseingriff muss nach jedem Startvorgang über einen Schalter unter dem Lenkrad gesondert freigeschaltet werden. Auch einen Notbremsassistenten mit Fußgänger-Erkennung bieten in dieser Klasse nur ganz wenige. Er kann bis zur Geschwindigkeit von 50 km/h Unfälle vermeiden. Diese Sicherheitsausstattungen werden aber nur gegen 500 Euro Aufpreis im Paket angeboten.

Die Preisliste für den Micra beginnt bei 12.990 Euro für den 73 PS starken Einstiegsbenziner in der Grundausstattung Visia ohne Radio und Klimaanlage. Realistisch wird jeder zum Visia Plus mit diesen beiden Ausstattungen für 14.590 Euro greifen. Ein vergleichbar ausgestatteter VW Polo Trendline mit 75 PS kostet laut Liste 1090 Euro mehr. Der 90 PS starke Turbobenziner ist erst ab Visia Plus erhältlich und kostet dann 15.790 Euro. Der Diesel kostet noch einmal 2000 Euro mehr, in der höchsten von fünf Ausstattungslinien namens Tekna kommt der Micra Diesel dann auf 21.990 Euro. Da sind das Sicherheitspaket, Navigationssystem, Bose-Soundsystem mit in den Kopfstützen integrierten Lautsprechern, Rückfahrkamera und vieles mehr bereits enthalten. 510 Euro für eine Metalliclackierung kommen bei allen Ausstattungslinien hinzu. Perleffektlackierungen in Weiß und Rot kosten sogar 650 Euro. Bei der höchsten Ausstattungslinie Tekna mit Vollausstattung kann sich der Preisvorteil des Micra auf den VW Polo Highline auf bis zu 4000 Euro summieren.