Fahrbericht: Nissan Micra

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Denn der Innenraum des Micra ist wirksam gegen Geräusche und Vibrationen gedämmt. Beide Motoren sind mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert, das etwas hakelig auf langen Wegen operiert. Vor allem der Rückwärtsgang musste mit etwas Nachdruck eingelegt werden. Mir passierte es zwei Mal, dass der Schaltknüppel nur so tat, als wäre er im Rückwärtsgang. In Wirklichkeit hing er aber noch im Leerlauf.

Im Niedrigdrehzahlbereich spricht der kleine Ottomotor mit Turbolader verzögert an. Unter 2000 Touren tut sich zu wenig. Wenn ich gleich nach dem Anrollen in den zweiten Gang schaltete, kam ich erst mal gar nicht vom Fleck und wurde von wild aufblinkenden Audi-Fahrern bedroht. Schon für eine flüssige Fahrweise waren also relativ hohe Drehzahlen notwendig. Erst dann wirkte der Ottomotor nicht mehr so zugeschnürt. Leider drängte er sich dann auch akustisch in den Vordergrund.

Zu den Verbrauchswerten kann man bei kurzen Touren durch die Innenstadt wenig sagen. Die Zyklusverbräuche von etwa 4,5 Liter für den Ottomotor und 3,4 Liter für den Diesel (mit dem optionalen Start-Stopp-System) scheinen im wahren Leben jedoch schwer zu erreichen zu sein. Ich brauchte mit dem Benziner 7,8 Liter im reinen Stadtverkehr und im gemischten Betrieb 6,2 Liter. Zugegebenermaßen war ich dabei jedoch nicht spritsparend unterwegs. Der Diesel verbrauchte bei sehr ungünstigen Bedingungen in der Stadt 5,6 Liter. Das Start-Stopp-System arbeitete unauffällig. Unverständlich ist, dass es nur gegen 200 Euro Aufpreis, nur für die beiden Turbomotoren und erst ab der mittleren der sechs Ausstattungslinien „Acenta“ erhältlich ist.

Das Fahrwerk ist sportlich hart abgestimmt Seitenneigung in Kurven ist so gut wie gar nicht spürbar. Das ist im B-Segment herausragend. Schade ist nur, dass die Federung schon auf normalen Landstraßen zu hart wirkt. Daran kann auch eine serienmäßige Fahrkomfortregelung nicht viel ändern, die über einen radindividuellen Bremseingriff vertikale Karosseriebewegungen minimieren soll. Die Fahrzeugfront geht beim Beschleunigen nach oben und beim Abbremsen nach unten. Diese Bewegung wird ausgenutzt um das Aufschaukeln auf Schwellen abzuschwächen. Das Problem sind aber nicht die wirklich großen Wellen, sondern dass bereits eine leicht körnige Fahrbahnoberfläche, geschweige den ein Gullideckel, zum spürbarem Erzittern der Karosserie führt. Die Lenkung erwies sich als leichtgängig und feinfühlig. Sie machte Lust darauf, so in die Kurven zu gehen, dass sich der Inhalt des oben beschriebenen unpraktischen Fachs unter dem Handbremshebel in den Fußraum ergoss.

Die serienmäßige aktive Spurhaltekontrolle durch Bremseingriff fördert den Fahrspaß durch Kurventraktion. Untersteuern musste ich schon bewusst provozieren. Auch bei sehr sportlicher Fahrweise wird man davon nicht gestört. Insgesamt ist das Paket von Lenkung und Fahrwerk zwar konsequent.