Elektroauto: Klimaretter oder Feigenblatt?

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So pragmatisch und wirtschaftsfreundlich sich die grünen Spitzenpolitiker geben, so wenig rücken sie von ihren energiepolitischen Grundfesten, also dem gleichzeitigen Nein zu Atomkraftwerken und der Stromgewinnung aus Kohle, ab: „Die Grünen werden E-Fahrzeuge nur dann unterstützen, wenn die Kernfrage der Stromquelle beantwortet ist“, schrieb Kuhn den Anbietern von E-Mobilen ins Stammbuch. „Elektroautos dürfen nicht die Nachtspeicheröfen des 21. Jahrhunderts werden“, sekundierte Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), da auch die Atomindustrie die Akkus von E-Autos als willkommene Senke für ihre nachts „im Überfluss“ verfügbare Grundlast entdeckt habe.

Dabei erscheinen lange, bevorzugt nächtliche Aufladevorgänge an der heimischen Steckdose bis auf weiteres ohne Alternative, insbesondere solange Elektrotankstellen in Parkhäusern oder auf Firmenparkplätzen Exotenstatus besitzen: Im 230V-Hausstromnetz beträgt die maximal zulässige einphasige Anschlussleistung 5 kW, erläutert Professor Uwe Sauer von der RWTH Aachen. Dabei könne ein Elektro-Vehikel ohne zusätzliche Stromfresser wie einer Klimatisierung mit 15 kWh elektrischer Energie eine Fahrstrecke von 100 km zurücklegen. Die 46 Millionen Pkw in Deutschland bringen es Sauer zufolge auf eine durchschnittliche tägliche Fahrleistung von 37 km, 90 bis 95 Prozent der Pkw legten regelmäßig Strecken von unter 50 km zurück. In diesem Szenario drängt sich die Nutzung des Nachtstroms förmlich auf – zumal intelligente Stromzähler zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, um an möglichst billigen Strom zu kommen.

Für eine angenommene Massenfertigung von Elektroautos in „acht bis zehn Jahren“ rechnet Sauer mit Einkaufskosten für die Stromspeichersysteme von 3000 Euro für 70 km Fahrleistung und 100 kg Akkugewicht. Wer eine Reichweite von 300 km ohne Ladevorgang wolle, müsse hingegen 450 kg schwere Akkus in Kauf nehmen, deren Preis mit 13.500 Euro die „Produktionskosten eines Mittelklassewagens“ übersteigen würde.

Ähnlich lautet die Kostenprognose von Dr. Klaus Brandt, Geschäftsführer der GAIA Akkumulatorenwerke für die Großserienfertigung: Ein 10-kWh-Akku in Lithium-Ionen-Technik wäre in einem Plug-in-Hybrid-Fahrzeug für über 50 km Fahrstrecke gut und würde unter 4000 Euro kosten. Da zurzeit über die Hälfte der Kosten für die Batteriezellen auf Materialkosten entfielen, lohne sich ein Blick ins Periodensystem, um billigere Ausgangsprodukte zu finden.