Der perfekte Kraftstoff
Seite 6: Der perfekte Kraftstoff
Fünf bis zehn Prozent in zehn bis fünfzehn Jahren wären für Mikulic ein realistisches Szenario, womit er sich ziemlich genau an die Ziele der Europäischen Union hält. Shell-Entwickler Hagenow hält sogar zehn bis zwanzig Prozent Substitution durch synthetische Kraftstoffe bis 2020 für möglich.
Erdöl vorläufig unersetzbar
In etwa zehn, fünfzehn Jahren könnte der Erdölverbrauch erstmals die Fördermenge übersteigen. Andererseits: Bei den derzeitigen Ölpreisen lässt sich wieder etwas mehr Geld in der Erschließung neuer Fördertechnologien investieren. Noch wird es also dauern, bis die Rapsbauern zu Ölscheichs werden. Die Bundesregierung hat 2004 eine von einer dicht besetzten Expertengruppe erstellte Kraftstoffmatrix vorgestellt, die Perspektiven und Potenziale alternativer Kraftstoffe aufzeigen soll. Bis 2010 werde es keine marktfähigen Optionen geben, die ein höheres CO2-Reduktionspotenzial hätten als 33 Prozent, so der Bericht (ausgehend vom Technologiestand 2002 mit 189 g CO2-Aquivalent pro Fahrzeugkilometer). Relevante Marktanteile könnten bis dahin nur Biodiesel und Bioethanol (jeweils mehr als zwei Prozent) und CNG mit maximal einem Prozent erreichen. Synthetischen Kraftstoffen für Otto- und Dieselmotoren werden im Jahr 2020 Marktpotenziale zwischen zwei und vier Prozent zugetraut, ebenso wie Biomethan und regenerativ hergestelltem Wasserstoff.
Bio-Sprit hat nicht nur grĂĽne Seiten
Zusammenfassend erwartet der Bericht von Effizienzsteigerungen bei Benzin- und Dieselmotoren, von synthetischen BTL-Kraftstoffen, Hybridantrieben und der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie die größten Einsparungen im Verbrauch fossiler Energieträger, die aber „mit weit über 80 Prozent auch in den nächsten zwei Jahrzehnten den Kraftstoffmarkt bestimmen werden“. Selbst wenn man für die Schonung des Klimas votiert: Eine Ökobilanz alternativer Kraftstoffe zeigt nicht in allen Bereichen grüne Zahlen. Zwar habe Bio-Sprit „ganz klare Vorteile bei den Treibhausgasemissionen“, sagt Guido Reinhardt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, Autor einer Studie zu alternativen Kraftstoffen. „Aber sie haben auch klare Nachteile bei der Versauerung von Boden und Luft. Wenn Sie ein Kind mit Asthmaproblemen haben, werden Sie eher gegen Biotreibstoffe sein, weil mehr Stickoxide, mehr Schwefeldioxide freigesetzt werden. Wenn Sie aber gern auf die Malediven fahren, sollten Sie für Biotreibstoffe sein.“
Kosten mindestens doppelt so hoch
Eine Studie des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung in Stuttgart geht zudem davon aus, dass die Kosten für regenerative Kraftstoffe im Verkehr mindestens doppelt so hoch seien wie jene für die Nutzung von Biomasse für Wärme oder Stromerzeugung, sofern es um die Reduktion der CO2-Emissionen geht. Und – den deutschen Energiemix zu Grunde gelegt – nicht einmal halb so effizient.
Auf den richtigen Mix kommt es an
Möglicherweise ist es also ökologisch sogar sinnvoll, noch eine Weile konventionelle Kraftstoffe zu tanken. Trotzdem braucht es längerfristig Alternativen zu Benzin und Diesel. Biokraftstoffe sind eine solche Alternative, und nicht die schlechteste. Es wird also in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren vor allem auf den richtigen Mix ankommen, von neuen Treibstoffen wie BTL, intelligenten Antriebstechnologien wie Hybrid oder HCCI und neuen, intelligenten Fahrzeugkonzepten, die etwa das Gewicht spürbar senken. Die einfachste, wirksamste Alternative ist sofort umsetzbar: weniger und langsamer fahren. (Markus Honsig) (imp)