Der perfekte Kraftstoff

Seite 2: Der perfekte Kraftstoff

Inhaltsverzeichnis

Dass sich der Absatz von Biodiesel so erfreulich entwickelt, liegt auch an der bisherigen Subventionspolitik: Bis 2009 von der Mineralölsteuer befreit – im konkreten Fall 47 Prozent –, kostet ein Liter Biodiesel an der Tankstelle rund zehn Cent weniger als herkömmlicher Diesel. Berechnungen des Finanzministeriums ergeben Herstellungskosten für Biodiesel von 0,76 Euro, rund doppelt so viel wie für herkömmlichen Treibstoff. Die Hoffnung, dass es längerfristig billiger werden wird, ist also aus heutiger Sicht kaum gedeckt, sobald man ehrlich vergleicht.

Größere Bedeutung als Beimischung

Leichter Gegenwind kommt außerdem von den Herstellern, die ihre Autos nicht mehr wie früher umstandslos für den Betrieb mit reinem Biodiesel freigeben, sondern immer öfter einen eigenen Kraftstoffsensor vorschreiben, um ihre heiklen Aggregate zu schützen: Für einen neuen Golf etwa kostet das RME-Paket 195 Euro, mit der zusätzlichen Einschränkung, dass man nur bis minus 10 Grad damit unterwegs sein sollte. Durch die weitere Verschärfung der Abgasgesetzgebung und die dafür notwendige noch engere Abstimmung der Dieselmotoren wird es für den reinen Biodiesel auch in Zukunft nicht leichter werden. Als Zumischung wird er aber weiter an Bedeutung und Marktanteilen gewinnen.

Das Drehmoment des Fortschritts in Sachen Effizienz, Klimawirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Technik wird sich jedoch erst mit der zweiten Generation von Biokraftstoffen erhöhen, so genannten synthetischen Treibstoffen, deren Entwicklung durch die jüngsten Turbulenzen am Erdölmarkt an Geschwindigkeit wohl weiter zulegen wird.

GTL – Diesel aus Erdgas

Gerd Hagenow mag den Geruch von Benzin und Diesel. Wenn der Leiter der Kraftstoffentwicklung von Shell in Deutschland durch seine Labors in Hamburg führt, schraubt er zwischendurch gern eine der kleinen Flaschen auf, die hier reichlich herumstehen, und fächelt sich mit der Hand ein wenig Dieselduft vor die Nase, als ob er ein Parfüm für die Dame seines Herzens suchen würde. Doch, sagt er, er könne unterschiedliche Kraftstoffqualitäten allein am Geruch erkennen. Eine Probe fällt besonders auf, weil sie kristallklar wie stilles Mineralwasser und für die ungeübte Nase so gut wie geruchsfrei ist: GTL, ein Diesel, der Hagenows Vorstellungen von einem idealen Kraftstoff ziemlich nahe kommt. Der saubere, aus Erdgas erzeugte Kraftstoff, von dem Hagenow so schwärmt, stammt aus Bintulu in Malaysia, wo Shell die weltweit bislang einzige, relativ kleine GTL-Raffinerie mit einer Jahreskapazität von knapp einer Million Tonnen betreibt.

In Deutschland erfunden

GTL steht für „Gas-to-liquid“ und für ein Verfahren, das schon in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland erfunden und nun wieder entdeckt wurde: die Fischer-Tropsch-Synthese, mit der sich aus Erdgas, aber auch aus Kohle und Biomasse, verflüssigte Kohlenwasserstoffe herstellen lassen. Ob Sasol, ExxonMobil oder Shell: Alle großen Mineralölkonzerne errichten derzeit große GTL-Anlagen, vorzugsweise in Katar mit dem größten Erdgasfeld dieser Erde, dem North Field. Bis 2015 sollen Produktionskapazitäten von knapp 30 Millionen Tonnen pro Jahr aufgebaut sein.

Partikelemission um weitere 25 Prozent senken

GTL sieht nicht nur sauber aus, sondern ist es auch: Mit dem schwefel- und aromatenfreien Kraftstoff können die Partikelemissionen selbst eines EU-4-Aggregats um weitere 25 Prozent reduziert werden, um nur ein in jüngster Zeit oft diskutiertes Beispiel zu nennen. Dazu kommt eine hohe Cetanzahl von über 70, Kennwert für die Zündwilligkeit des Treibstoffs und damit für die effiziente Verbrennung des Selbstzünders. Trotz knapper Kapazitäten gibt es GTL schon an der Tankstelle, wenn auch nur als 5-Prozent-Anteil zu Shells Premium-Diesel namens V-Power, laut Hagenow mit „15 bis 20 Prozent Anteil an unserem Dieselverkauf ein toller Erfolg“. Erstaunlich, bedenkt man die landesweiten Klagen über die hohen Treibstoffpreise, immerhin kostet der gute Sprit acht Cent mehr als normaler Diesel.Denkbar sind natürlich auch wesentlich stärker mit GTL angereicherte Dieselkraftstoffe. Untersuchungen zeigten, dass bei 40 bis 60 Prozent Zumischung bereits die gesamten Emissionsvorteile erreicht werden.