Flüssigluftnummer
Der Prozess ließe sich auch mit ganz profaner verflüssigter Luft betreiben, doch gibt es dafür keine so gut ausgebaute Infrastruktur wie für Flüssigstickstoff, der als ubiquitäres Industrieprodukt praktisch überall für 10 bis 50 Eurocent pro Liter zu bekommen ist. Für Betreiber von Kühllastflotten genügt ein Speichertank auf dem Speditionshof, den Gas-Lieferanten wie Linde oder Air Liquide dort aufstellen und en gros per Lastzug mit Gas beliefern könnten. Laut Dearman sollten sich trotz des zusätzlichen Aufwands für den Treibstoff die Mehrausgaben für seine Kühlanlagen nach drei Jahren amortisiert haben und danach kräftig Geld sparen helfen. Sollte dem wirklich so sein, hätte die Dearman-Transportkühlung gute Chancen sich durchzusetzen und eine Menge für die Luftqualität zu tun.
Lokal emissionsfrei
Lokal arbeitet die Dearman-Transportkühlung zwar emissionsfrei. Wie hoch die Einsparung beim Kohlendioxid in der Gesamtbetrachtung ist, hängt ähnlich wie beim Elektroauto davon ab, mit welcher Energie die Luft verflüssigt wurde. Eine kleinere Rolle spielt dabei natürlich auch die Art der Verteilung. Gäbe es eine Gas-Infrastruktur ohne Lkw-Transport, sänke die CO2-Belastung. Die beste Lösung sähe vermutlich dezentral aus: Man stelle sich Speditionsgebäude mit Solarmodulen auf ihren Dächern vor, die bei Sonneneinstrahlung speditionseigene Luftverflüssiger antreiben. Die Überschuss-Sonnenenergie bliebe in Form verflüssigter Luft über Phasen geringer Sonnenintensität gespeichert.
Das 2011 gegründete Unternehmen mit 60 Beschäftigten arbeitet bei der Entwicklung übrigens mit dem legendären Motorenentwicklungs-Ingenieursdienstleister Ricardo zusammen, der bereits 1931 das in Pkw-Dieseln bis in die 90er-Jahre dominierende Wirbelkammerverfahren erfand.
Ende November wurden ein paar Aggregate in den Freilandversuch ausgesetzt, vielleicht nicht ganz zufällig kurz vor der UN Klimakonferenz in Paris (30. November bis 11. Dezember). Ab 2018 will Dearman das Kühlsystem in den Verkauf bringen und strebt laut Businessplan zunächst 280 Millionen Euro Jahresumsatz an. (fpi)