Almrausch

Inhaltsverzeichnis

Es wird gehupt, gewunken und dicht aufgefahren, um den Marken-Schriftzug am Heck zu entziffern und damit Smartphone-Sensoren zu belichten. Kein Tankstopp, ohne eine Traube Menschen um den Straßensportler. Getankt werden muss oft. Den kombinierten Normverbrauch gibt McLaren zwar mit 11,7 Litern an, in den Bergen und jenseits der NEFZ-Geschwindigkeiten schnellt der Spritdurst allerdings rasant in die Höhe.

In Deutschland angekommen, fallen dann endlich die Tempolimits und der Spider kann zeigen, was er kann. Den Standardsprint von null auf 100 erledigt er auf dem Papier in 3,1 Sekunden. Tatsächlich kommt er dabei nicht mal ins Schwitzen – auch der Fahrer nicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist dank der anderen Verkehrsteilnehmer fast unmöglich zu erreichen, doch eines sei gesagt: der Spider ist schnell. Sehr schnell. Die Lenkung ist angenehm direkt, das Fahrwerk überraschend komfortabel. In einem solchen Renngeschoss zuckt man beim Nahen einer Querfuge schon mal vorsorglich zusammen, doch es passiert nichts. Der Spider bügelt Unebenheiten glatt wie Oma die Falten in der Leinenbluse. Das Siebengang-Doppelkuppungsgetriebe gleitet fast unmerklich durch die Gänge, Gangwechsel machen sie hauptsächlich durch ein Absenken der Drehzahlnadel bemerkbar.

Noch sportlicher geht es in den Modi Sport und Track zu, auf die Getriebe und Handling getrennt voneinander eingestellt werden können. Dann allerdings ist die Lenkung so direkt, dass die volle Konzentration nötig ist, um den Spider nicht mit einem Zucken in der Hand aus der Spur zu werfen. Zudem wird im Track-Modus das ESP ausgeschaltet, bei Regen nur bedingt empfehlenswert.

Zurück in München. Der Spider hat den Alltagstest mit Bravour bestanden. Auch nach 1000 Kilometern saß man in den Sportsitzen noch bequem, selbst der Schnee konnte den britischen Sportwagen nicht aus der Ruhe bringen. Ein letztes Mal das Verdeck schließen, ein letztes Mal beim Aussteigen unter den Schmetterlingstüren durchtauchen, dann ist der Spider wieder weg und es bleibt nur das Dröhnen des V8 in den Ohren und das Gefühl des im Geschwindigkeitsrausch vibrierenden Lenkrads in den Händen. (imp)