Almrausch
Nächster Alltagscheck: Ausparken. Dank Heckmittelmotor ist die Sicht nach hinten durch die gürtelbreite Rückscheibe gleich null, allerdings kommt der Spider auf Wunsch mit Parksensoren daher. Los geht's in Richtung Westen. Kurz hinter Lyon klettert die Autobahn in die Berge, es ist der 27. April, auf 632 Metern beginnt es zu schneien. Um die Absurdität dieser Situation bildlich festzuhalten, erfolgt ein Zwischenstopp auf dem Rastplatz. Der Motor brodelt unter der Haube, es zischt, sobald eine Schneeflocke auf der heiß gewordenen Kunststoffabdeckung landet. So langsam kommen Zweifel auf, was die Routenplanung für die nächsten beiden Tage angeht. Um zu sehen, wie sich der McLaren abseits von Rennstrecken und unbeschränkten Autobahnen gebärdet, stehen ein paar Schweizer Alpenpässe auf dem Programm.
Schnee auf 632 Metern
Im Inneren des Spiders geht's derweil gemütlich zu. Die Heizung feuert wie ein Hochofen im Stahlwerk, der beheizbare Sitz tut sein Übriges. Im Radio laufen französische Popsongs und der McLaren surrt so entspannt vor sich hin, fast könnte man meinen, man säße in einem Kombi. Wäre da nicht die Sache mit den Bremsen. Die brauchen tatsächlich einen kurzen Moment, beziehungsweise einen zweiten beherzten Tritt, um kraftvoll zuzubeißen. Das ist gewöhnungsbedürftig.
Geräuschkanal
Am Genfer See geht der Schnee dann wieder in Regen über und der Wunsch nach ein wenig mehr Rennwagenatmosphäre nimmt zu. Wie gut, dass man sich im englischen Woking mit schlechtem Wetter auskennt und dem Spider eine herunterfahrbare Heckscheibe unter das Verdeck gesetzt hat. Ein Druck auf den Knopf in der Mittelkonsole und der Klang des Motors dröhnt ungefiltert durch die Luke hinter den Kopfstützen. Welch Unterschied. Kurz hinter Vevey erhält die neu gewonnene Fahrfreude dann einen ordentlichen Dämpfer: Der Jaunpass ist wegen Neuschnees gesperrt. Auf der Umfahrung über Gstaad herrscht gespenstische Leere, kein Auto im Rückspiegel, kein Gegenverkehr.
Erzwungener Abstieg
Der Spider indes zirkelt unverdrossen nach oben. Anstrengen muss er sich dafür nicht, den 625 PS scheint die Steigung nicht einmal aufzufallen. Dabei kurvt er mit einer derartigen Präzision, als läge er auf Schienen. Dann liegt Schneematsch auf der Straße, der McLaren Sommerreifen unter der Carbon-Karosserie.