Almrausch

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Eine wenig beruhigende Kombi, doch der Brite schlägt sich überraschend wacker und wenn es doch mal brenzlig wird, reagiert das ESP zuverlässig und schnell. Inzwischen ist klar: Aus dem Plan, auf einer Berghütte zu übernachten und mit dem Spider gemeinsam den Sonnenaufgang über den Alpen zu bewundern, wird nichts. Die Straßen nach oben sind dicht. So bleibt am Ende nur der Abstieg nach Interlaken.

In Interlaken verbringt der Spider die Nacht zwischen den Reisebussen asiatischer Touristengruppen auf dem Parkplatz des Funny Farm Hostels. Das Treiben in der Lobby macht dem Namen der Unterkunft alle Ehre, doch ich bin zu müde, um mich zu wundern. Am nächsten Morgen geht es früh los, aufgrund des Wetters hänge ich deutlich hinter dem Zeitplan zurück. In der Lobby putzen zwei schlaftrunkene Männer die letzten Spuren der Farm-Party von der Bar, vor dem Haus wartet startklar mein oranges Reisemobil. Der Klang des Motors bringt Leben in die übermüdeten Hotelmitarbeiter, gleich vier stehen in der Eingangstür und starren auf den Spider, als er zwischen den Bussen zum Vorschein kommt.

Nächstes Ziel: Andermatt und von dort über den Oberalp-Pass nach Chur. Grimselpass? Gesperrt! Furkapass? Gesperrt! Sustenpass? Man ahnt es schon: auch dicht. Die einzige Möglichkeit, Andermatt zu erreichen, ist über den Vierwaldstätter See. Die Straße ins 1447 Meter hohe Andermatt ist tief verschneit, Nebel vergräbt die Berge unter einer dicken grauen Decke. Das Örtchen ist ausgestorben, kein Mensch wagt sich ins kalte Schneegestöber. Das dumpfe Röhren des Spider-Motors zerreißt die sonntägliche Stille und übertönt den Klang der Kirchenglocken, denen an diesem Morgen kaum einer folgen wird. Ein Blick aufs Schild offenbart, was fast schon klar war: auch der Oberalppass ist geschlossen, ich muss umkehren.

Vor der Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein gibt das Verdeck den Blick auf den wolkenverhangenen, aber wenigstens trockenen Himmel frei. Anhalten ist dazu eigentlich nicht von Nöten, das Dach öffnet bis 30 km/h auch während der Fahrt innerhalb von 17 Sekunden, die Heckscheibe fungiert von nun an als Windschott. Auf der Autobahn hinter Vaduz sorgt das orange Cabrio dann für jede Menge Starrummel.