Drei-Eltern-Technik könnte Babys mit erhöhtem Krankheitsrisiko hervorbringen

Seite 3: Unklar, wie viele Babys betroffen sein könnten

Inhaltsverzeichnis

Da die Eltern auch hier keine krankheitsverursachenden Gene in ihren Mitochondrien trugen, sollte es diesen Babys gut gehen, sagt Wells. "Wenn diese Familie [aber mtDNA-Mutationen] trüge, wäre das sehr besorgniserregend. 60 Prozent ist hoch, es könnte Krankheiten verursachen."

Wells glaubt, dass eine Vorhersage schwierig ist, wie viele Babys von der Reversion betroffen sein könnten. Wenn sein Team weitere 100 MRT-Runden durchführt, könnte es sein, dass sie keinen weiteren Fall sehen. Es könnten aber auch 90 sein. "Die Stichprobengröße ist wirklich zu klein, um etwas über die Häufigkeit dieses Phänomens zu sagen", erklärt er.

Mitalipov dagegen geht auf der Grundlage der aktuellen Studie und seiner früheren Arbeiten an Zellen und Affen davon aus, dass nach einer MRT ein Rückfallrisiko von etwa 20 Prozent besteht. Mit anderen Worten: Wenn die MRT eingesetzt wird, um die Weitergabe von krankheitsverursachender mtDNA zu vermeiden, besteht eine Chance von eins zu fünf, dass das Baby trotzdem potenziell gefährliche Mengen dieser mtDNA erbt. "Das ist nicht sehr selten", sagt er.

Die Frage ist, ob dieses Risiko akzeptabel ist. Bei unfruchtbaren Paaren, bei denen keine mitochondrialen Krankheiten in der Vergangenheit aufgetreten sind, scheint das Einsatzrisiko dieser Technologie gering zu sein. Beim MRT-Einsatz zur Vorbeugung mitochondrialer Erkrankungen könnten jedoch Babys erzeugt werden, die schwer krank werden. Trotzdem könnte ein Risiko von 20 Prozent für manche Paare akzeptabel sein, sagt Prior vom Fruchtbarkeitszentrum in Newcastle. Die Ergebnisse änderten nichts an seiner Studie, sie werde wie geplant fortgesetzt. "Natürlich werden wir diese Ergebnisse weiter verfolgen und zu gegebener Zeit unsere eigenen Ergebnisse veröffentlichen", sagt er.

Heidi Mertes zufolge, die als Medizinethikerin an der Universität Gent arbeitet, ist es wichtig, darüber nachzudenken, was potenzielle Eltern tun würden, wenn die Technologie nicht verfügbar wäre. Wenn sie sich trotzdem um ein Baby bemühen würden, ist eine 80-prozentige Verringerung des Risikos, krankheitsverursachende mtDNA weiterzugeben, vielleicht akzeptabel. Wenn sie aber stattdessen eine Eizellspende oder die Adoption eines Kindes in Betracht ziehen würden, "dann sind das bessere Alternativen", sagt sie.

Für Joanna Poulton, Mitochondriengenetikerin an der Universität Oxford, ist das 20-prozentige Reversionsrisiko "sehr besorgniserregend", da es eine viel größere Wirkung haben könnte. "Es gibt Mutationen, bei denen schon recht niedrige Werte Probleme verursachen können", sagt sie. Bei einigen Krankheiten kann das bereits bei nur 15 Prozent der Fall sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass mtDNA unübersichtlich ist. Verschiedene Organe einer Person können unterschiedlich viele Mutationen aufweisen. Manche Menschen haben eine Mischung aus verschiedenen mtDNA und können mit ihren Eizellen entweder krankmachende oder gesunde Gene weitergeben. Ein Baby mit einem geringen Anteil an fehlerhafter mtDNA im Blut kann dennoch hohe Werte im Gehirn oder in den Muskeln haben. Dies wurde auch bei den Affen beobachtet, die durch MRT geboren wurden, sagt Mitalipov. Bei einem einzigen Tier, so Mitalipov, könnte der Anteil der schlechter mtDNA "90 Prozent in der Leber und vielleicht null Prozent im Blut" betragen.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Werte im Laufe der Zeit ändern können. "Viele dieser Mutationen nehmen im Laufe des Lebens zu. Daher treten die Symptome erst viel später auf", sagt Heindryckx. Einige mitochondriale Krankheiten machen sich zum Beispiel erst im Jugendalter bemerkbar. All das macht Vorhersagen darüber, wie viele Babys ein Risiko für eine schwere Erkrankung haben könnten, sehr schwierig.

Das Ergebnis hat auch Auswirkungen auf eine andere, bereits etablierte Methode zur Vorbeugung mitochondrialer Erkrankungen bei Säuglingen. Bevor die MRT entwickelt wurde, verwendeten Kliniken eine Technik namens Präimplantationsdiagnostik (PGT), um Embryonen auf Krankheiten zu untersuchen. Dabei werden den durch IVF erzeugten Embryonen einige Zellen entnommen und auf krankheitsverursachende Mutationen untersucht. Potenzielle Eltern haben so die Möglichkeit, die Einpflanzung von Embryonen zu vermeiden, die einen hohen Anteil an fehlerhafter mtDNA aufweisen.