Schaeffler steigt bei Conti ein
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Antriebsstrang vom Zulieferer
Doch nicht jedem Autobauer wird es gelingen, den Weg zum elektrischen Antrieb alleine zu beschreiten. Zudem stellt sich die Frage, inwieweit dies überhaupt sinnvoll wäre. Denn Differenzierungsmerkmale wie Motorsound oder Zylinderanordnung werden in Zukunft keine große Rolle mehr spielen – ein wichtiges Element der Markendifferenzierung entfällt. Ein Unternehmen wie der Verbund aus Conti und Schaeffler könnte diesen Umstand für sich nutzen: Ein Szenario, nach dem ein komplette Antriebsstrang vom Zulieferer kommt und von mehreren Automobilherstellern genutzt wird, scheint nicht mehr unrealistisch. Die allseits gefragten „Skaleneffekte“ könnten dabei helfen, einen Antriebsstrang günstiger zu produzieren, als wenn jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht.
Die Kompetenz dazu scheint nun in einem großen Zulieferer gebündelt zu werden, da macht es auch nichts, dass Schaeffler bis 2012 nicht die Mehrheit übernehmen darf, es wird die Chefin nicht sonderlich stören. Auch gegen das Geschäft mit den Reifen wird sie zunächst nichts haben, wenn es auch perspektivisch wie ein Fremdkörper wirkt. Die wirklich spannenden Neuigkeiten der nächsten Monate dürften Conti und Schaeffler vermelden, wenn es um die Entwicklung neuer Antriebe geht. Da passt es auch ins Bild, dass VW-Chef Martin Winterkorn ein Zusammengehen der Zulieferer grundsätzlich befürwortet hat – mit beiden Zulieferern sei VW hochzufrieden. Conti habe sich von einem klassischen Reifenhersteller zu einem Technologiekonzern entwickelt. Der Zulieferer sei in der Elektronik stark, die Schaeffler-Gruppe in der Mechanik.
Milliardengeschäft Hybridantrieb
Conti-Chef Manfred Wennemer hat derweil um seine Ablösung gebeten. Er wird das Unternehmen laut Conti Ende August verlassen. Favorit für seine Nachfolge, meint das Nachrichtenmagazin Focus, ist Technik-Vorstand Karl-Thomas Neumann. Er war bis 2004 bei Volkswagen als Bereichsleiter Elektrik und Elektronik konzernweit für Elektronikmodule verantwortlich und wurde von der Financial Times Deutschland erst vor drei Wochen mit den Worten zitiert: „Die Hybrid-Technik wird für Conti in vielleicht fünf Jahren ein Milliardengeschäft“. Das sieht wohl auch Schaeffler so.
(ggo)