Freude am Alltag?

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Wie schmaler bauen? Genauso wie praktischer bauen: Man könnte den Akku verkleinern. Ja, wirklich. Zum Landstraßenfahren taugt er eh nicht, in der Stadt reicht es immer dicke, und ein C Evolution wird für Niemanden ein Erstfahrzeug sein. Er muss die Überlandfahrt nicht können. Ein kleinerer Akku würde Platz schaffen für mehr Stauraum und größere laterale Luftspalten zu den anderen Verkehrsteilnehmern. Man könnte ihn idealerweise so bauen, dass er nicht die Funktion einer Heizung für den Fahrersitz übernimmt. Jetzt im Spätherbst war das meistens toll. Im Sommer würde es mich nerven.

Die Motorleistung würde ich so lassen, realistisch betrachtet würde eine solche Alternative jedoch etwas schwächer motorisiert werden. 15 PS Dauerleistung, klar, aber die reale Leistung dann vielleicht bei 30 PS? Bei einem Akku von 5 bis 6 kWh? Mit großem Staufach, dessen Deckel offen bleibt beim Beladen? Sie sehen, an welcher Stelle der Einwurf zum BMW C1 E kam. Hier in der Praxis. Dort stirbt er auch gleich wieder.

Denn als nutzwertig praktisches Stadtfahrzeug taugt heute kein Elektroroller, kein Elektroauto. Diese KFZ sind für "nutzwertig praktisch" schlicht unwirtschaftlich bei den derzeitigen Preisen. Mein popeliger 50er trägt viel mehr Nutzlast bei viel kleinerem Fahrzeugpreis. Selbst die reinen Bewegungsenergiekosten überzeugen nicht. Beispiel: der C Evolution hat inklusive Ladeverluste an der Steckdose gemessen zwischen 5,0 (hauptsächlich Stau) und 10,1 (hauptsächlich Landstraße) kWh auf 100 km gebraucht, über den Gesamtschnitt waren es 8,7 kWh pro 100 km. Bei 29 Cent pro kWh kosten 100 km also rund 2,50 Euro reine Fortbewegungsenergiekosten. Der Zoomer verbraucht gemessen 1,6 l auf 100 km. Das läuft in etwa auf dasselbe hinaus, mit dem Unterschied, dass der schnelle BMW-Roller in der Anschaffung das Fünf- bis Zehnfache eines praktischen, aber langsamen Fuffzigerles kostet. Das kauft niemand, der Geld sparen will.

Deshalb ist die Auslegung, wie sie ist, diese Betonung des Fahrerlebnisses, wahrscheinlich besser als eine nutzwertigere. Ein Antrieb, den gestandene Motorjournalisten als "gefährlich" druckvoll bezeichnen, eine Reichweite, die auch hyperurbane Trips erlaubt, und eine Aufmachung, die wie der BMW i3 die Zukunft verkauft statt den besten Nutzwert. Ich meine: Ganz nüchtern nutzwertig ist ein E-Golf das deutlich bessere Elektroauto. Aber dann fahre ich nur einen Golf. Für 35.000 Euro. Da reizt die Captain-Future-Kabine des i3 meinen Kaufnerv doch mehr. Ditto C1-E versus C Evolution. Das Beschleunigen ist die Kauf-Killer-Applikation des C Evolution. Praktisch haben wir schon.

Und damit ist es passiert: Ich freue mich auf die elektrische Harley. Damit werde ich das machen, was man mit Harleys halt so macht: Bier holen oder die fünf Meter zur Kneipe, am besten zum Other Place in Stuttgart-City rollen, in der Sonne Kaffee trinken, das Motorrad anschauen und hoffen, dass einen jemand drauf anspricht. Mit dem elektrischen Großroller hat das gut geklappt. (cgl)