Lust an der Gier
In der "Sport"-Einstellung wird das Fahrwerk spürbar härter. Im 650S kommt, wie beim Vorgänger 12C, die innovative "ProActvie Chassis Control" (PCC) zum Einsatz. Dabei sind die Stoßdämpfer miteinander hydraulisch vernetzt und mit einem gemeinsamen, gasgefüllten Speicher verbunden. PCC soll dadurch Wankbewegungen in der Kurve und Untersteuern reduzieren, was dem Fahrer erlaubt, früher Gas zu geben und später zu bremsen.
Bremsstreifen im Rückspiegel
Bremsen ist im Motorsport so wichtig wie beschleunigen, denn wer besser bremst, muss es später tun und ist damit länger schnell. Vorn werden dazu mit 394 Millimetern familienpizzagroße, fadingresistente Carbon-Keramikscheiben in die Zange genommen, hinten 380er. Dazu die Schau, wenn beim starken Verzögern der Heckflügel zur McLaren-Luftbremse umschwenkt und als schwarzer Balken im Rückspiegel erscheint. Die Dosierbarkeit bleibt übrigens jederzeit vorbildlich. Dank seiner kombinierten aerodynamischen und Reibungsbremsleistung kommt der McLaren in nur knapp 31 Metern von 100 km/h zum Stillstand. Eine negative Beschleunigung, die der positiven absolut würdig ist.
Die Landstraßen genießt man am besten mit offenem Dach. Der Spider passt perfekt zum Charakter des 650S. Das Verdeck öffnet bis 30 km/h per Knopfdruck und verschwindet innerhalb von 17 Sekunden unter einer Klappe hinter den Passagieren. Die Sitzposition in den nur längs verschiebbaren Carbonschalen ist bequem, selbst wenn sie für kräftigere Menschen recht eng sind. Weniger sportliche Menschen wählen die Sitze mit vielfacher Verstellung, Memory-Funktion und Heizung. Was ihnen aber nicht erspart bleibt, sind ein paar Verrenkungen beim Ein- und Aussteigen über den breiten Schweller. Üppige Carbonoptik und Alcantara stehen im Kontrast zu wenig Ablagemöglichkeiten. Ein Navigationssystem mit Farbdisplay ist Werksausstattung, gegen Aufpreis wird ein Soundsystem von Meridian eingebaut. Faszinierender als Musik aus der Konserve aber bleibt die Lärmentwiklung von hinten: Vom bissigen Fauchen über Brummen und Zischen bis hin zum hemmungslosen Brüllen. Schön, dass die Lader das Erlebnis nicht etwa zunichte machen, vielmehr bringen sie sich mit eigenen interessanten Geräuschen wie Brausen beim Druckaufbau und Zwitschern beim Gaswegnehmen ein.