Fördern statt verhindern
Einer, der sich aus der Deckung wagt und direkte Kaufprämien für alle fordert, ist Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). 5000 Euro auf die Hand könnten der „Gefahr, dass deutsche Hersteller und Zulieferer auf einem Zukunftsfeld den Anschluss verlieren“, erfolgreich begegnen. Wenn in drei Jahren 50.000 Fahrzeuge von Privatkäufer abgenommen würden, müsste der Staat dafür 250 Millionen Euro investieren. „Das ist die Sache wert“, so Lies.
Deutschlands E-Autos haben eine kräftige Lobby
Ganz altruistisch dürfte die Äußerung des Politikers allerdings nicht sein – das Land Niedersachsen ist mit gut 20 Prozent Teilhaber an Volkswagen. Und Volkswagen ist mit dem e-Golf, dem e-Up und dem Golf GTE sowie dem kommenden Passat GTE Leitanbieter. Überhaupt gehört es zu den viel zitierten Märchen, die deutsche Autoindustrie würde den Trend zur Elektromobilität verschlafen.
Ja, es ist bedauerlich, dass weder das faszinierende Tesla Model S noch der fröhliche Renault Twizy ein heimisches Markenlogo tragen. Direkte Wettbewerber für diese Modelle gibt es nicht. Dennoch ist das Angebot im genannten Volkswagen-Konzern inklusive Audi A3 e-tron und Porsche Cayenne S E-Hybrid, bei Daimler mit dem Topseller Smart ed sowie der Mercedes B-Klasse ed und last but not least mit den BMW-Modellen i3 und i8 bei Batterie-Elektrischen und Plug-In-Hybriden breiter als aus anderen Autonationen. Dieses Engagement wollen die Akteure verständlicherweise gerade im Heimatmarkt nicht als Misserfolg verbuchen müssen.
Und das ist auch das stärkste Indiz dafür, dass es bald zu einer Sofortzahlung kommen könnte. Die wäre nicht zwangsläufig durch Schulden finanziert, wie die Abwrackprämie gezeigt hat. Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, die Privatkäufer anders als gewerbliche Kunden in voller Höhe zahlen, würde etwa im Fall eines e-Golf ungefähr den vom niedersächsischen Wirtschaftsminister genannten 5000 Euro entsprechen.