Kart2Go
Zwei Dinge werden nach wenigen Probefahrten klar: Erstens ist Car2Go beim Herumbummeln teurer als erwartet (29 Cent pro Minute, gesamtes Preisregelsystem hier). Und zweitens: Es gibt zwei verschieden schnelle Antriebsgenerationen im Einsatz, wobei die lahmeren Smarts laut Car2Go im März aus dem Fuhrpark entfernt werden sollen. Das alles eröffnet faszinierende Komplexitätsstufen für den Wettbewerb des Fahrerlagers geistig Fünfjähriger. Beim Startsignal ist es zum Beispiel taktisch sehr sinnvoll, das Smartphone des Gegners zu schnappen und auszuschalten, sodass er wertvolle Zeit beim Reboot verliert. Auch ein klug positioniertes Bein ist schon manchem übertrieben punktkonzentrierten in-die-Handfläche-Gucker zum Verhängnis geworden. Ein derart schlecht gestarteter Fahrer könnte seinen Nachteil jedoch durch Kenntnis des Fuhrparks wettmachen und die schnellere zweite Generation mieten. Am Ziel muss die Wagenmiete beendet sein (prüfbar auf dem Jeejah), die restlichen Regeln sollten dann so lange ausführlich diskutiert werden, bis sie zur unausweichlichen Wiederholung der Wertungsprüfung führen. Es gibt sogar Bremsen! Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass kommende Rennfahrergenerationen für diese einen Nutzen finden.
Time Trial, 1P
Leider stehen nicht immer genügend geistig Fünfjährige für den Mehrspielermodus zur Verfügung. Deshalb bietet Daimler für Solo-Gamer den Time-Trial-Modus an, also das Fahren gegen die Uhr. Zuerst war ich etwas enttäuscht vom Preis der Elektrosmarts, denn wenn es mit der Parkplatzsuche dumm läuft (also in Stuttgart immer), landet man schnell beim halben Taxipreis für typische Strecken. Dann jedoch begann ich, das System als Herausforderung zu sehen. Eine Abrechnung praktisch allein nach Zeit bedeutet schließlich, dass auf jeder Strecke die größtmögliche Geschwindigkeit erreicht werden muss, wenn der kleinstmögliche Preis erzielt werden soll.
Eine meiner Standardstrecken ist zwischen Stuttgart-West am Steilhang und Stuttgart-Süd in einem der Täler unter dem Fernsehturm-Hügelrücken. Wenn man 25 Minuten Fußweg in Kauf nimmt, kostet diese Strecke mit den unsäglichen Stuttgarter Öffis 2,20 Euro. Auf einem sonntäglichen Testrun schaffte der Car2Go-Smart die Strecke in 3,19 Euro (ohne nennenswerten Fußweg). Allerdings war das ein Wagen mit dem lahmen, alten Antrieb. Mit einem der schnellen E-Smarts dagegen ... Hmm ... Challenge accepted!
Spielspaßwertung
Falls Sie gerade denken "Ich versteh' das nicht, ist das jetzt gut oder schlecht?": Car2Go ist gut. Achtzigerwertung, mindestens. Es hat etwas Suchterzeugendes, nach den besten A-nach-B-Konfigurationen zu suchen, und obwohl das für alle Carsharer mit solchen Buchungssystemen gilt, wäre ich sehr enttäuscht, die Stuttgarter Golf-Karts gegen Maschinen mit vielen Sitzen, vielen Gängen und den vielen mechanischen Teilen eines Hubkolbenmotors zu tauschen. Das ist alles schon viel zu kompliziert. Mario Kart hatte auch keine vier Sitze oder sechs Gänge. Alle geistig Fünfjährigen sollten sich umgehend anmelden. Ich brauche mehr Mitspieler im Multiplayer-Modus. (cgl)