Interview mit Christian Senger, VWs oberstem Elektrifizierer

Inhaltsverzeichnis

Christian Senger:
Also die alte Batterie ausbauen und durch eine neue ersetzen? Ja, auch das ist im Prinzip möglich. Aber ich glaube nicht, dass das allzu viele tun werden. Wissen Sie, heute ist es so, dass die nächste Generation 50 Prozent mehr Reichweite bringt. Und das möchte man haben. Man will eigentlich keine neue Batterie haben, sondern man möchte mehr Reichweite haben. Wenn ich mein Fahrzeug jetzt mit 400, 500, 600 km Reichweite ausstatte, dann, so ist meine These, brauchen wir kein Upgrade der Batterie mehr. Denn die Leute haben bereits genügend Reichweite. Und das wird dann auch die Gebrauchtwagenpreise stabilisieren. Möglicherweise hat die nächste Fahrzeuggeneration dann kompaktere Batterien. Aber ich glaube nicht, dass wir irgendwann bei 2000 km Reichweite ankommen. Sehen Sie, ein Verbrennungsmotor der nächsten Generation hat auch fünf Prozent mehr Leistung. Aber deshalb geht ja auch keiner her und baut seinen alten Motor aus. Wenn man mal eine funktionale Sättigung erreicht hat, also die Voraussetzungen erfüllt, die die Kundschaft an ein Erstauto heute stellt, dann ist das Auswechseln von Technologie nicht mehr der Belang.

Heise Autos:
Stichwort Lithium-Vorkommen. Ich habe auf der VW-Homepage gelesen, dass bei starker Durchdringung des weltweiten Marktes mit BEV, die weltweiten Lithium-Vorkommen etwa 2050 aufgebraucht sind. Setzt man da dann nicht mit den Lithium-Ionen-Akkus maximal auf eine Ăśbergangstechnologie? Was ist Ihrer Meinung nach die Batterie-Technologie der Zukunft? Werden bald Blei-Luft-Akkus kommen?

Christian Senger:
Ich habe das auch gelesen. Später bei der schnellen Suche, hab ich dann gar nicht mehr gefunden, wo wir das kommunizieren. Also grundsätzlich gibt es genügend Lithium auf der Erde. Was limitiert ist, ist das einfach zu gewinnende Lithium. Sie brauchen zwei Faktoren. Sie brauchen die Lithium-Reinheit und Sie müssen auf die Gewinnungskosten achten. Und da gibt es aktuell ein paar Bergseen in Südamerika, wo das am einfachsten geht. Interessant ist z. B. auch, dass wir auch in Deutschland Lithiumvorkommen haben – mit Lithium in höherer Konzentration im Stein. Nur die Gewinnungskosten in Deutschland sind dreimal so hoch. Und deshalb ist natürlich angesichts der Autokosten ein Run auf die kostengünstigen Quellen. Also der Letzte muss dann quasi die teureren Quellen nehmen. Aber Ähnliches haben wir ja auch beim Erdöl gesehen, die Gewinnungstechnik macht ja auch Fortschritte. Und Recycling gibt es schließlich auch. Bei den Smartphones nähern wir uns ja jetzt schon, was den Bedarf an Batterien angeht, einer Sättigung. Also die Devices werden quasi zur Mine. Also wir erkennen heute nicht, dass Lithium ein Limiter wäre. Aber es gibt eben Marktgesetze. Sie brauchen lange Vorlaufzeiten. Da gibt es eine Art Zwei-Jahres-Regel, wenn Sie heute eine Mine erschließen brauchen Sie mindestens zwei Jahre bis das Lithium dann wirklich nutzbar ist.