Hält Toyota Blackbox-Daten zurück?
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Schlechtes Bremsen
In der teils sehr aufgeregten Diskussion in den USA kommentierte übrigens der emeritierte Psychologie-Professor Richard A. Schmidt das Geschehen in den New York Times. Unter dem Titel "Schlechtes Bremsen" brachte er die Überlegung ins Spiel, dass trotz Hilfsmitteln wie einem "schlauen Pedal", wie es die US-Regierung wünscht, manchmal einfach nur die Autofahrer schuld sind. Schon in den 1980ern habe es ähnliche Probleme gegeben, bei denen ein Auto ungewollt beschleunigte – und schon damals hätten Untersuchungen darauf hingedeutet, dass manchmal bei einer Fehlbedienung, der Fuß nicht mehr dem Hirn folgen mag. So unglaublich es klingen mag, treten demnach manche Menschen in Panik und wie gelähmt das Gaspedal weiter durch, anstatt das Bremspedal zu betätigen.
Audi, damals ähnlich unter Druck wie heute Toyota (und letztlich unschuldig), konstruierte für den Audi 5000 eine Sperre, welche die Bedienung der Automatik sicherer machen sollte. Danach musste man nach dem Starten des Motors die Bremse treten, um aus der "P"-Stellung der Automatik zu kommen. So war zumindest eine Fehlbedienung beim Start des Autos erschwert. Audi übertrug das Patent an andere Hersteller, so dass die Technik bald bei allen Automatikautos üblich war.
Schlaues Pedal
Was nun die Obama-Administration vorschlägt, ist ein "smart pedal", bei dem Gas weggenommen wird, wenn die Bremse getreten wird – eine Technik, die es bei BMW, Chrysler, Volkswagen und neueren Toyota-Modellen schon gebe. Das könnte in der Tat Fälle verhindern, wie sie derzeit von Toyota berichtet werden, weil der Fahrer dann selbst bei einem mechanisch klemmenden Gaspedal bremsen kann und dabei die Funktion des Gaspedal übersteuert wird. Wer damit Gas gibt, kann es mit ziemlicher Sicherheit nicht dem Pedal in die Schuhe schieben.
Bei einem hilft allerdings ein noch so schlaues Gaspedal nicht und das konnte ich vor einigen Jahren sonntags in einem Kölner Stadtteil beobachten: Der Fahrer eines recht wertvollen Mittelklasse-Autos, der um die 60 Jahre gewesen sein mochte, fuhr plötzlich und dem Anschein nach unkontrolliert los und schob gemütlich im Kreis fahrend andere geparkte Autos vor sich hin. Nach dieser Massendemolage konnte ich mit dem ziemlich verdatterten Herrn sprechen, der nicht erklären konnte, warum er wie gelähmt war und nicht gebremst hatte.
Neuromuskuläre Prozesse
Prof. Schmidt schreibt in den New York Times, dass bei Auswertungen einer GM-Studie in den 1980er-Jahren 60- bis 70-Jährige etwa sechsmal so oft ein ungewolltes Beschleunigen beklagten als 20- bis 30-Jährige. Zurück in die Gegenwart: Der eingangs zitierte Bericht spricht im texanischen Fall von einer älteren Dame und im Fall Evansville, Indiana, von der 77-jährigen Juanita Grossman. Vielleicht gibt es ja einfach Autofahrer, bei denen manchmal "unruhige neuromuskuläre Prozesse dazwischenkommen, sodass die geplante Handlung ein wenig anders ausfällt als gewollt", wie Prof. Schmidt sagt. (ggo)