Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Seite 3: Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Inhaltsverzeichnis

Markt aus den Fugen
Die Süddeutsche berichtete gestern, dass als Folge der aufgestockten Abwrackprämie ein Wertverfall bei höherwertigen Fahrzeugen drohe. So seien am Gebrauchtwagenmarkt die Preise für ältere Modelle, für die die Förderung nicht gilt und die mehr als 2500 Euro wert sind, zuletzt deutlich gefallen. Tatsächlich droht die Preisstruktur für Gebrauchtwagen aus den Fugen zu geraten: Einerseits sinken bei neueren Gebrauchtwagen die Preise, weil ein kräftig gesponserter Neuwagen natürlich attraktiver ist. Andererseits werden viele alte Gebrauchtwagen per Schrottpresse dem Markt entzogen – selbst dann, wenn sie eigentlich noch in gutem Zustand sind. Menschen mit geringem finanziellem Spielraum müssen daher mehr für einen Gebrauchten ausgeben oder lassen sich sogar dazu verführen, einen Neuen auf Pump zu kaufen.

Systemstörung
Wenn dann Ende 2009 der Zauber zu Ende ist, wird der Neuwagenmarkt natürlich nach unten drehen, doch dabei bleibt es nicht. Leiden werden zum Beispiel auch Betreiber freier Werkstätten, wo bisher in großem maß ältere Fahrzeuge gewartet wurden. Da diese aber bekanntlich einen höheren Wartungsbedarf haben, dürfte ein erheblicher Teil des Geschäfts wegbrechen. Wie sich diese Effekte in genauen Zahlen äußern, ist nur schwierig vorauszusagen. Das liegt auch daran, dass die Abwrackprämie in ein relativ gut austariertes Gesamtsystem eingreift und einige Folgen noch nicht einmal abzusehen sind.

Abwracksteuer
Solange die Abwrackprämie nur dabei helfen sollte, die Fahrzeug­halden zu lichten, schien der Markteingriff plausibel, doch das ist seit den jüngsten Beschlüssen nicht mehr gegeben. Nun wird ohne klar erkennbaren Lenkungseffekt zusätzliches Geld ausgegeben: Bis zu 5 Milliarden Euro will sich die Regierung den Schredder-Spaß kosten lassen, statt 1,5 Milliarden, wie ursprünglich vorgesehen. Das ist vordergründig betrachtet zwar kein Problem, weil Zusatzeinnahmen über die Mehrwertsteuer die Kosten einigermaßen ausgleichen, wie manche argumentieren, doch das stimmt nur vorläufig. Genau diese Steuereinnahmen fallen ab 2010 aus. Und wer das ausgleichen muss, plus Zinsen versteht sich, ist klar. (ggo)