Gute Zahlen, schlechte Zahlen
Seite 2: Gute Zahlen, schlechte Zahlen
Kleinzeugs
Was sich bereits vor Einführung der Abwrackprämie andeutete, tritt nun in überzeichneter Form zutage: Das Mini-Segment legte im ersten Quartal um 129 Prozent zu, die Kleinwagen-Klasse um 75 Prozent und die der Kompakten um 8,4 Prozent. Die obere Mittelklasse und die Oberklasse verloren jeweils 25 Prozent, die Sportwagen 26 Prozent. Ein untypisches Bild zeigt auch der Gebrauchtmarkt: Über 120.000 Pkw waren bei der Umschreibung höchstens ein Jahr alt, ein Effekt, der ebenfalls teilweise auf die Abwrackprämie zurückzuführen ist.
Nebenwirkungen
Dass Industrievertreter auf die erfreulichen Zulassungszahlen zumindest offiziell positiv reagieren, ist kein Wunder, hinter verschlossenen Türen dürfte die Begeisterung gedämpfter ausfallen. Bereits jetzt deuten sich unangenehme Nebenwirkungen an, die zum Teil nur schleichend zu Tage treten. Offenkundig ist zunächst einmal, dass die Hersteller größerer und teurerer Autos nicht profitieren. Wer die Abwrackprämie nutzen möchte, entscheidet sich in der Regel für kleine Autos. Dort hat die Prämie sicherlich dabei geholfen, Fahrzeuge vom Hof zu bekommen, Hersteller wie Mercedes oder BMW schauen aber in die Röhre. Man kann sich schon fragen, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die Prämie abhängig vom Neuwert eines Autos zu staffeln, um diesem Problem zu begegnen. Die Gleichung "billig = umweltfreundlich" ist sicherlich zu einfach.
Aufgeweichtes Konzept
Dass nun der Prämientopf auf 5 Milliarden Euro aufgestockt wurde und somit für bis zu 2 Millionen Fahrzeuge reicht, ist zudem eine Abkehr von der ursprünglichen Logik. Zunächst war das Konzept darauf zugeschnitten, Lagerfahrzeuge abverkaufen zu können oder Jahreswagen, die auf einen Händler oder Hersteller zugelassen waren. Dieser Lenkungseffekt ist zunehmend aufgeweicht worden. Zwar ist es aus Kundensicht erfreulich, wenn man nun risikolos ein Wunschfahrzeug bestellen kann und die Prämie gesichert ist, doch dem Abwrackrausch könnte ein heftiger Kater folgen. Schon jetzt gelangen Schrotthändler an die Grenzen ihrer Lagerkapazität, schließlich sind ihre verfügbaren Flächen nicht auf den derzeitigen Ansturm ausgelegt. Zudem sind die Schrottpreise gesunken, wie etwa die Schwäbische Zeitung berichtet. Manche Schrotthändler würden derzeit bereits dazu übergehen, Schrottautos nur noch gegen Bares anzunehmen, weil das Geschäft sich sonst nicht mehr lohnt.