Fahren wir in Zukunft elektrisch?

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Dennoch müsste man fossile Kraftstoffe langfristig durch Alternativen wie SunFuel ersetzen – ist das realistisch?
Steiger: Der Punkt, an dem der Bedarf an Erdöl höher ist als das Angebot, könnte 2020 erreicht sein. Es deutet aber einiges darauf hin, dass der Verbrauch fossiler Kraftstoffe trotz weltweit steigenden Energiebedarfs sinken kann. Bei den verfügbaren Flächen in Europa ist es denkbar, etwa 20 bis 25 Prozent der fossilen Kraftstoffe durch regenerative Alternativen zu substituieren – bezogen auf den heutigen Bedarf.

Glauben Sie, dass die „Verflüssigung“ von Kohle den Bedarf ergänzen könnte?
Steiger: Einzelne Länder wie die USA oder China ziehen CTL (Coal-to-Liquid) in Betracht, um den Bedarf an Kraftstoffen zu decken. Bei der Produktion von CTL entsteht jedoch eine Menge CO2, die man zum Beispiel unterirdisch lagern will. Ich habe Zweifel, dass man diese Technik lang anhaltend nutzen kann. Auch die Anzahl der verfügbaren Kavernen wird vermutlich nicht auszureichen, um spürbar CO2 zu reduzieren. Ob die Kohleverflüssigung kommt, hängt davon ob, wie schnell es gelingt, regenerative Alternativen zu finden.

Wind- und Sonnenenergie sind ziemlich unberechenbar. Wie kann man sie überhaupt sinnvoll speichern und nutzen?
Steiger: Es gibt bereits Fortschritte darin, die Kapazität und Flexibilität der Stromnetze zu verbessern, um fluktuierende Energien wie Wind- oder Solarstrom besser einspeisen zu können. Es wird diskutiert, Abhilfe über eine Gleichspannungstraverse zu schaffen, die Europa von Nord nach Süd durchzieht. So könnte man im Norden die Energie aus Offshore-Windanlagen und im Süden Solarenergie einspeisen. Damit ließe sich ein stabiles Energieangebot verwirklichen, und zwar unabhängig von der Jahreszeit. Ein solches „Energie-Rückgrat“ mit Gleichspannung wäre zudem dazu geeignet, Strom über weite Entfernungen fast verlustfrei zu übertragen. Hier sind natürlich besonders die Energieversorgungsunternehmen gefordert.

Damit wären wir bei elektrischen Antrieben: Derzeit sind „Range-Extender“-Konzepte im Kommen, während der Sinn von Vollhybriden zunehmend angezweifelt wird. Woher kommt dieser Sinneswandel, nachdem serielle Hybride lange als ineffizient galten?
Steiger: Wir betrachten die Gesamtbilanz von Fahrzeug und Energieerzeugung im Rahmen von Life-Cycle-Analysen und wissen heute, dass ein elektrisches Gesamtsystem in der Effizienz einfach nicht zu schlagen ist. Außerdem steht nun mit der Lithium-Ionen-Batterie eine Batterietechnik zur Verfügung, die erstmals unsere Bedingungen für einen elektrischen Antrieb erfüllt. Wir haben also eine überzeugende technische Perspektive, selbst wenn wir sie noch nicht sofort umsetzen können.