Der fitte Opa

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Es hat mir wirklich Spaß gemacht, dieses fette Taxi um Estoril zu schrubben, und es machte eine gute Figur dabei. Im E 400 verbaut Daimler auch eine an Gewicht und Leistung angepasste Bremsanlage. Endlich. Und noch eine gute Idee: Um sowohl Dicken als auch Dünnen guten Seitenhalt zu geben, kann man die Seitenpolster elektrisch einstellen. Es soll noch eine AMG-Version des E 400 mit 401 PS folgen ("E 43"), sowie mit dem E 63 AMG ein German Muscle Car mit V8 und über 550 PS.

Mein persönlicher Hauptgrund für einen Test der E-Klasse lag im Update der Fahrhilfen. Die E-Klasse führt hier eine neue Generation ein, die ein paar Dinge besser kann. Staufolgefahren gibt es jetzt bis 130 km/h mit Objekterkennung, also einem Folgen des Vordermanns als Orientierungshilfe, wenn die Fahrbahnmarkierungen (etwa in Baustellen) unleserlich werden. Der Lenkassistent unterstützt jetzt bis 210 km/h, solange er Fahrbahnmarkierungen sieht. Das wird durch kleinere Fortschritte ermöglicht; unter anderem orientiert sich die E-Klasse jetzt außer an Linien auch an Fahrbahnbegrenzungen wie Leitplanken oder Betonblöcken.

Dazu kommt ein Spurwechselassistent, der bei gesetztem Blinker und angeschaltetem Tempomat ("Drive Pilot") nach zwei Sekunden Blinken selbständig die Spur wechselt, wobei er darauf achtet, dass es eine Spur zum wechseln gibt und dass diese frei von Kollisionsgefahren ist. Die gut funktionierende Verkehrsschilderkennung plus Geschwindigkeitsdaten im Kartenmaterial erlauben auch die Option, dass der Tempomat von selbst das vorgegebene Tempo wählt, eine große Erleichterung auf diesen Strecken, auf denen sich alle paar hundert Meter die Vorgabe ändert. Ebenso hat sich die Kraft des Lenkservos erhöht und damit die maximal möglichen Einlenkwinkel, natürlich abhängig von Kurvengeometrie, Geschwindigkeit und Untergrund.

Mit den Updates ist die E-Klasse das wohl selbständigste Auto am Markt. Der US-Bundesstaat Nevada hat Daimler für die E-Klasse zum Beispiel als erstem Serienfahrzeug eine Lizenz zum autonomen Fahren ausgestellt, deren Mindestanforderungen erfüllt sie also. Dennoch würde ich bei den Tests auf Autobahnen mit meistens 120 km/h Vorgabe weniger von teilautonomem Fahren sprechen als vielmehr von "hochassistiert". Daimler hat enorm viel Arbeit in die Schnittstelle Fahrer-Assistent gesteckt, was sich bemerkbar macht in einem viel geringeren Nerv-Level. Die ersten Spurassis in der E-Klasse haben mich noch fürchterlich genervt. Die aktuelle Generation verhält sich deutlich stärker so, dass man sich ihrer Assistenz ergeben möchte und nur noch quasi vegetativ lenkt. Das mag sich für Freunde des Fahrens doof anhören, aber die kaufen keine E-Klasse, sondern einen Boxster.

Langstreckenfahrer dagegen freuen sich, dass der Grad der Wachheit nach 1000 Kilometern deutlich höher liegen dürfte als unassistiert. Dazu passt der neue Staupilot, der im Stop & Go bis 30 km/h nicht mehr so schnell nach der Hand am Lenkrad verlangt. Falls jemand beim betreuten Fahren einschlafen sollte, hält das Fahrzeug nach längerer Zeit ohne Fahrereingaben in der aktuellen Spur mit eingeschalteter Warnblinkanlage an. Selbstverständlich bimmelt es auch im Innenraum.