Der fitte Opa
Leistung hat der Diesel für die typischen Einsatzbereiche der E-Klasse genug, vor allem, weil das in allen Antrieben serienmäßige Neungang-Automatikgetriebe so gut funktioniert. Es schaltet schnell und hält je nach Fahrerwunsch die Drehzahlen entweder etwas höher oder konsequent sehr niedrig. Es passt zur E-Klasse wie die Faust aufs Auge oder der Dieselmotor zur Automatik. Der E 220 CDI kostet ab 47.124 Euro. Es gibt darunter zum Start noch einen Benziner mit 184 PS, Grundpreis 45.303 Euro. Den konnten wir noch nicht ausprobieren, es ist aber auch nicht die interessanteste Motorisierung.
Alternative Motorisierungen
Leider fehlte die Zeit, den größeren Dieselmotor im E 350 CDI zu testen. Er liefert maximal 258 PS, was wahrscheinlich gar nicht seine wichtigste Eigenschaft ist. Nein, noch vor der Leistung steht für uns alte Männer die Kombination von Dieseleigenschaften mit einem sonoren V6-Schnurren. Zum Glück hatte ich Zeit, noch kurz vor Torschluss den Plugin-Hybriden E 350 e zu fahren: Auf rein elektrischem Betrieb wird aus der E-Klasse der wunderbarste Gleiter ihrer Klasse. Der 65-kW-Elektromotor schiebt sanft an, das typische elektrische Sirren verschwindet komplett in der Karosseriedämmung.
Die Motorisierung zeigt, wie eine elektrische Mercedes-Limousine fahren könnte – leider nur für etwa 15 Kilometer auf der Schnellstraße bei 100 km/h mit Tempomat (120 schaffte der Motor schon nicht mehr, zu bergig). Dann ist die 8,6-kWh-Batterie leer und der R4-Benziner muss sich zuschalten. Zusammen mit dem 211-PS-Benziner schaffen die Motoren eine Systemleistung von 286 PS (210 kW). In der realen Welt wird also der Dieselantrieb ökonomischer sein, und in der Praxis kaum weniger anschubstark. Solange der Taxifahrer nicht wenigstens zum Flughafen und zurück rein elektrisch fahren kann, dürfte sich dieser Antrieb nicht lohnen (Preis noch offen). Die Kante im Kofferraum an der Batterie ist mir auch zu sehr Peugeot und zu wenig Mercedes. Aber ich freue mich jetzt sehr auf eine richtige elektrische Limousine aus Stuttgart. Solange sie so leise fährt, darf sie so rundgelutscht aussehen wie ein gut gebrauchtes Stück Seife.
Rücksichtsvolles Fahrwerk
Schließlich war noch der E 400 zu fahren, mit dem "4matic"-Allradantrieb. In der Überzeugung guter Fahreigenschaften ließ uns Daimler die alte Rennstrecke Estoril damit befahren. Ich fand schon bei älteren Versionen, dass die E-Klasse ein gutes Chassis hat, wenn auch eins mit zu kleinen Bremsen für ihr ganzes Fett. Im E 400 wird dieses Chassis vom aktiven, wankausgleichenden Fahrwerk unterstützt und von einem schön brummenden V6-Benzinmotor mit 333 PS angetrieben. Die Auslegung des Fahrwerks ist sehr rücksichtsvoll, das Auto untersteuert unspektakulär im Schiebebetrieb und ich konnte es selbst mit abgeschaltetem ESP nicht zum Übersteuern bewegen, da übernehmen schnell die Vorderräder. Das Auto schiebt dann am Ende der Querführungshaftung sanft über beide Achsen nach außen. Es gibt keine Überraschungen. Wer sich in diesem Chassis etwas tut, hat lange vorher versäumt, relative Bewegungsenergie abzubauen.