Die Rechnung, bitte

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Bei Lichtblick ist man sicher, im Zweifel auch vor europäischen Gerichten Recht zu bekommen, weil Marktderegulierung ein Grundprinzip der EU ist. Eine Überzeugung, in der eine leise Drohung steckt – wir wollen unseren Lösungsvorschlag durchsetzen, lautet die Botschaft.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Idee einer zum Verteilnetz gehörenden Infrastruktur in sich schlüssig, konsequent und, wenig verwunderlich, im Interesse von Lichtblick ist. Das wäre zwar ein starker staatlicher Eingriff – aber wer sonst könnte den aktuellen Wildwuchs stoppen?

Kontroverse Positionen zum Vorschlag des Ökostromanbieters Lichtblick gibt es trotzdem. Eine davon vertritt Dr. Mark Walcher, Geschäftsführer von Smartlab, Betreiber von Ladenetz.de sowie Sprecher der deutsch-niederländischen Plattform e-clearing.net. Das Unternehmen gibt eine der umfassendsten Ladekarten heraus: An den Säulen von über 50 Stadtwerken sowie bei diversen Roaming-Partnern von EWE über Vattenfall bis EnBW kann damit Strom in die Batterien gefüllt werden. Mit im Boot sind außerdem wichtige europäische Player wie The New Motion, und mehrere Autohersteller (BMW, Mitsubishi, Nissan, Volkswagen und Audi) setzen ebenfalls auf Ladenetz.de.

„Auf den ersten Blick erscheint es charmant, wenn die Infrastruktur zum Verteilnetz gehört“, räumt Walcher ein. Aber „der Ansatz ist zu verengt auf die bisherige Energiewirtschaft, den Elektromobilität ist mehr als der Netzbetrieb.“ Was Mark Walcher damit meint, sind die vielen neuen Geschäftsmodelle. ALDI zum Beispiel errichtet Ladesäulen auf den Kundenparkplätzen, und IKEA denkt ebenfalls über diese Servicedienstleistung nach. „Wenn Aufsicht und Regulierung bei der Bundesnetzagentur liegen, würden kreative Angebote beschnitten oder abgeschafft.“

Das Modell des Geschäftsführers von Ladenetz.de sieht anders aus: Jeder, der das möchte – also Unternehmen wie Hotels, Autohändler oder einfach alle anderen – kann weiterhin eine öffentlich erreichbare Ladesäule aufstellen. „Die IT-Identifikation muss genauso leicht sein wie der räumliche Zugang“, fordert Walcher. Zuletzt hätte sich dafür das offene OCTP-Protokoll bewährt: „Voraussetzung ist eine intelligente Ladesäule“, erklärt Walcher. Das klingt selbstverständlich, ist es technisch aber noch nicht.

Die größte Kritik von Walcher am Lichtblick-Vorschlag richtet sich gegen den IT-Aufwand, der getrieben werden muss, um an jeder Ladesäule die Abrechnung von über 900 Stromversorgungsunternehmen zu gewährleisten. Hier würde ein „IT-Moloch“ geschaffen, über den sich „außer den Beratern“ niemand freuen könne.