Die Predictive Powertrain Control im Mercedes Actros

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Die Predictive Powertrain Control ist nur teilweise neu. Den GPS-Geschwindigkeitsregler "Predictive Cruise Control" bietet Daimler für seine US-Marke Freightliner schon seit 2009 an, bisher fehlten allerdings die Eingriffe in das Getriebe. Die Verbindung aus Geländekundigkeit, Getriebeeingriff sowie der Toleranzbereich bei der definierten Geschwindigkeit kehren nun die Nachteile klassischer Tempomaten in ihr Gegenteil um, sagt Daimler. Während normale Tempomaten im Grunde zu spät merken, dass es Zeit zum Schalten ist, ist die Predictive Cruise Control ähnlich schlau wie ein routinierter Fahrer. Ihm voraus hat sie allerdings die Fähigkeit zu wissen, was hinter Hügel und Horizont kommt.

Prädiktive Systeme wie dieses sind schon seit vielen Jahren im Gespräch, auch bei Hybridfahrzeugen. Bei ihnen erscheint der mögliche Profit noch größer, weil die kinetische Energie in einer Batterie gespeichert werden kann, beim Actros nur im "Schwung", den er mitnehmen kann. Der Hybridantrieb erlaubt also andere Betriebsstrategien, weil die Energie aus der Batterie zu einem beliebigen Zeitpunkt abrufbar ist. Noch interessanter wird es, wenn Plug-in-Hybride ins Spiel kommen. Auch sie würden von einem prädiktiven System einschließlich topografischer Kenntnisse profitieren. Bei ihnen erlaubt die "intelligente" Streckenplanung einen geplanten Generatorbetrieb, um am Zielort eine definierte Menge elektrischer Energie zum rein elektrisch Fahren zur Verfügung zu haben.

Dass die Lkw-Technik bei der Nutzung topografischen Daten einen Schritt voraus ist, hängt wohl mit dem erhöhten Leidensdruck der Transportbranche zusammen. Selbst prozentual kleine Spriteinsparungen können bei den hohen Kraftstoffkosten ein kleiner Segen sein. Im Pkw-Bereich ist dieser Leidensdruck bisher offenbar noch gering. Das mag damit zusammenhängen, das bis heute bei vielen Autofahrern der Posten "Spritkosten" eine erstaunlich überschaubare Rolle spielt. Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, bei dem Meinungen regelrecht aufeinander prallen: Noch wird den Pkw-Fahrern zugebilligt, dass sie als Fahrer ihre Entscheidungen selber treffen. Deswegen hat zum Beispiel der Opel Ampera einen Knopf, mit dem man in den "Stromerzeugungsmodus" gehen kann. Doch der Default dürfte bald der Knopf zum Ausschalten sein – denn auch der Hybrid mit topografischen Kenntnissen spart wohl in der Regel schlauer als der Fahrer. (ggo)