Die Predictive Powertrain Control im Mercedes Actros
Natürlich ist der Vergleich etwas verkürzt, denn es geht nicht nur um die Zugkraftunterbrechungen. Man könnte diese zwar vermeiden, wenn man statt eines automatisierten Schaltgetriebes ein Doppelkupplungsgetriebe verbauen würde. Das hat sich bei Lkws aber bisher nicht etablieren können – zu aufwendig, zu schwer, zu teuer in einer Branche, bei der das Fahrzeug sich durch und durch „rentieren“ muss. Aber Schalten kann auch allein deswegen ineffizient sein, weil der plötzlich transiente Zustand des Motors einen höheren Verbrauch verursacht – und wenn auch nur kurzfristig. Der quasi-stationäre Zustand der Fast-Konstantfahrt ohne Schalten ist dagegen günstiger. Diese Logik kann auch beim Schalten zu eine ungewohnten Entscheidung des Systems führen: Der Lkw erkennt, dass er es beim besten Willen nicht bis nach oben schafft und schaltet kurzerhand gleich um zwei Gänge herunter. So spart er einen zweiten, kraftzehrenden Schaltvorgang.
Mit Anlauf in die Steigung
Eine weitere Strategie besteht darin, vorausschauend zu beschleunigen, um die nächste Steigung sozusagen mit Schwung zu nehmen, auch das kennt man als Fahrradfahrer. Das Beispiel illustriert sehr gut, wozu der Toleranzbereich nach oben gut sein kann. Er erlaubt es in diesem Fall, nur wenig Energie zum Beschleunigen bergab aufzuwenden und vergleichweise viel Energie an der kommenden Steigung einzusparen.
Bei der so genannten "EcoRoll"-Funktion kann der Actros sogar ohne Motorkraft bergab rollen, um dabei durch sein eigenes Gewicht zu beschleunigen, um dann vor der nächsten Steigung den damit gewonnenen Schwung mitnehmen zu können. So kann er zum Beispiel den gedeckelten Wert von 90 km/h anfahren – bei einem normalen Tempomat dagegen wäre er mit 85 km/h vor der nächsten Steigung angekommen. Der Lkw kann sogar die eingestellte Obergrenze maximal 20 Sekunden lang um einen km/h überschreiten. Selbst dieser kleine Funken Zusatztempo kann noch ein bisschen Minderverbrauch herausschinden.
Bergauf rollen
Schließlich kann der vorausschauende Actros vor dem Erklimmen einer Kuppe schon etwas Gas wegnehmen, um im nachfolgenden Gefälle nicht (oder weniger) bremsen zu müssen. Laut Mercedes ist dieses eines der effektivsten unter den verfügbaren Sparmanövern. Unter Umständen geht der Actros dabei sogar schon vor dem Scheitelpunkt in den Eco-Roll-Modus, weil er dann nicht von den Schleppmomenten des Antriebsstrangs ausgebremst wird.