Bergwertung: Porsche Boxster RS 60 Spyder
Seite 2: Bergwertung: Porsche Boxster RS 60 Spyder
Wirklich kein Weichei
Die grundsätzliche Ergonomie des kleinen Schwaben begeistert auf Anhieb: Schalter und Hebel liegen perfekt und geben keine Rätsel auf. Zudem passt die Sitzposition für Menschen bis etwa 1,85 Meter wie ein Maßanzug, und sämtliche Kontrollen wie Pedale, Lenkung und Schaltung fühlen sich äußerst direkt und knackig an. Die Symbiose von Mensch und Maschine: Im Boxster ist sie erlebbar. Jetzt aber los: Den Schlüssel, Porsche-typisch, links neben dem Lenkrad ins Schloss, ein Dreh und schon bellt der 3,4-Liter-Sechszylinder hinter dem Fahrer eine kurze, unverschämt zornige Willkommensnote aus den beiden Endrohren. Bereits auf den ersten Metern wird klar, dass wir hier einen veritablen Sportwagen unterm Hintern haben. Kupplung und Lenkung erfordern trainierte Gliedmaßen, der Motor verfällt ab 4000 Touren in ein süchtig machendes, raues Timbre und das serienmäßige, adaptive Sportfahrwerk PASM teilt auf mittelschweren Unebenheiten fröhlich Stöße aus.
Die Spaßtaste
Endgültig zum Vollbluthengst mutiert der RS 60 Spyder allerdings, sobald die unscheinbare Sport-Taste auf der Mittelkonsole aktiv ist. Denn die schaltet das PASM auf straff, verschärft die Gasannahme, aktiviert den Sportauspuff und lockert die Zügel des ESP. Ferry Porsche sagte einst „Wenn man drauftritt, muss er schießen“, und genau das tut der Boxster jetzt. Der Motor hängt noch spontaner am Gas als im Normalmodus. Schon ein Streicheln des rechten Pedals quittiert er mit gierigem Hochdrehen und einem Sound, der in Innenstädten kleine Kinder erschreckt und dem Fahrer ein ums andere Mal wohlige Schauer über den Rücken jagt. Im Gegensatz zum normalen S-Modell liegt die Leistung um bescheidene acht PS höher. Verantwortlich hierfür zeichnet die Sportabgasanlage, die im RS 60 ab Werk verbaut ist.
Langstreckentauglich
Die insgesamt 303 PS erlauben eine Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h. Somit ist der Boxster auch für längere Autobahnetappen geeignet. Der Tank ist zwar nicht wirklich üppig bemessen, seine 64 Liter reichen aber 400 bis 500 Kilometer weit – etwas Selbstdisziplin vorausgesetzt. Auch bei geöffnetem Dach lässt es sich in der kleinen, kuscheligen Kabine gut aushalten: Bis etwa 140 km/h sind Konversationen mit dem Beifahrer ohne Megaphon möglich. Allerdings fanden einige Kollegen das Klima im offenen Boxster unangenehm zugig. Als Roadster hat er nun mal keine hinteren Seitenscheiben und durch diese seitlichen Lücken finden Turbulenzen schnell ihren Weg ins Innere und in den Fahrernacken. Im geschlossenen Wagen lärmt der Wind ab etwa 180 Sachen störend, trotz des zweilagigen und Waschstraßen-sicheren Verdecks. Wirklich zuhause fühlt sich der Zweisitzer aber nicht auf der Autobahn, sondern auf kurvigen Landstraßen. Wenn es sein muss, liegt in 5,4 Sekunden das erlaubte Reisetempo von 100 km/h an, allerdings muss man sich beim schnellen Ritt über Land schon ein wenig zurücknehmen, um nicht ständig mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit über den Asphalt zu fliegen.