Abwrack-Betrug: Massendelikt oder Sommerloch-Aufreger?

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Empört über die vom BDK in die Welt gesetzten Zahlen zeigte sich der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse): Ganz offensichtlich ohne substantielle Belege zur Hand zu haben, würden Zahlen von massenhaften illegalen Exporten von Altfahrzeugen in die Welt gesetzt. Der bvse hebt hervor, dass nur zertifizierte Demontagebetriebe die Verwertungsnachweise ausstellen dürfen. Diese Firmen garantierten, dass die abzuwrackenden Fahrzeuge der gesetzlich vorgeschriebenen Verwertung zugeführt würden, die Betriebe stünden unter ständiger Kontrolle der entsprechenden Umweltbehörden und können die Verwertung "lückenlos nachweisen". Dass schwarze Schafe versuchten, ein "doppeltes Geschäft" zu machen und beispielsweise Verwertungsnachweise fälschten, bringe die "sauber arbeitenden zertifizieren Betriebe" in Misskredit. Der bvse betonte in diesem Zusammenhang, dass jede illegale Handlung zu verurteilen sei.

Im Gespräch mit heise Autos hob Verbandssprecher Jörg Lacher hervor, dass die zertifizierten Betriebe allein schon handfeste wirtschaftliche Gründe hätten, der Verlockung zu widerstehen, sich illegal einige Euro nebenher zu verdienen: Erstens würden sie bei einem Abwrack-Betrug ihre Zertifizierung und damit ihre Existenzgrundlage verlieren und zweitens lase sich auch mit einem Auto, das regulär abgewrackt werde, Geld verdienen. Die fürs Abwracken maßgebliche Förderrichtlinie (PDF-Datei) verlangt nämlich, "dass die Restkarosse des Altfahrzeugs zur Verschrottung und zur Erfüllung der Anforderungen nach § 5 Absatz 2 der Altfahrzeug-Verordnung in Verbindung mit Anhang Nummer 4 einer Schredderanlage zugeführt wird" (Seite 6 oben).

Bei dieser Restkarosse handelt es sich es sich Lacher zufolge um einen automobilen Torso, der von allen Betriebsflüssigkeiten befreit (trockengelegt) und bar aller demontierbarer Teile wie Türen, Innenausstattung oder Antriebsstrang einen hohen Stahlanteil aufweise. Zwar seien die Preise für Restkarossenschrott wegen der allgemeinen Stahl-Nachfrage und auch infolge des Überrangebots durch die Abwrackprämie derzeit unten, doch zu stapelbaren Paketen gepresst, stellten sie eine Geldanlage für den Entsorger dar. Und die legal abmontierten Teile könnten die Verwerter ebenso weiterverkaufen, auch wenn hier gleichfalls das Überangebot auf die Preise durchschlage.