Meinung: Gewurschtel in der Dieselkrise

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Aus all dem ergibt sich, was eigentlich zu tun wäre. Auf politischer Ebene muss eine mindestens mittelfristige Planbarkeit zum Thema Auto auf die Agenda. Bei einem so teuren Gegenstand möchte ich gern wissen, ob und wie lange ich ihn uneingeschränkt nutzen kann. Auch der Wertverlust muss halbwegs zuverlässig kalkulierbar sein. Letzteres regelt die Politik natürlich nicht allein, aber aktuell trägt sie auch nicht dazu bei. Lobbyverbände haben ihre Sicht auf die Dinge und müssen, anders als Volksparteien, nicht alle Interessen im Blick haben. Trotzdem wäre auch bei ihnen an einigen Stellen eine verbale Abrüstung im Sinne der Allgemeinheit.

Es ist absolut richtig und begrüßenswert, für eine weniger belastete Stadtluft einzutreten. Es ist eine Schande, dass dies Verbände wie die DUH übernommen haben und nicht die Politik. Wenn das jedoch dazu führt, den Verkehr um die Messstation kilometerweit herumzuführen, sollte sich keiner über einen solchen Erfolg freuen – sondern in Grund und Boden schämen. Bei gravierenden Einschnitten tut man im Allgemeinen gut daran, die Bevölkerung mitzunehmen, am besten mit klugen Argumenten und nicht mit Beschlüssen, die mit etwas Sinn für Realitäten wirklich niemandem zu vermitteln sind.

Auf die Autohersteller braucht, was das Thema Nachrüstungen anbelangt, niemand zu warten. Ihr Interesse gilt dem Absatz von Neuwagen, weshalb sie den von Scheuer propagierten, raschen Flottentausch sicher freudig unterstützt. Die technisch mögliche Nachrüstung von SCR-Kats ist nicht ihr Geschäft und sie sind auch nicht daran interessiert, es zu ihrem zu machen. Deshalb wird die Diskussion darum von ihnen in eine Zukunft verlagert, in der man die Restbestände der Autoflotte, die maximal die Abgasnorm Euro 5 erfüllt, locker zu austauschreifer Altware erklären kann – unterstützt von Industrie und Journalisten, die sich, vermutlich aus gedanklicher Bequemlichkeit, allzu leicht vor diesen Karren spannen lassen. Der Umwelt ist aber weder mit einem vorzeitigen Verschrotten noch mit einer Verlagerung der Autos nach Osteuropa gedient.

In den kommenden zwei Jahren wird das Angebot an Elektro- und Hybridautos massiv ausgebaut. Wenn der Kunde das annimmt und beispielsweise anfängt, zumindest in Zweitwagen auf Benzin und Diesel zu verzichten, wäre viel gewonnen. Wir Käufer sind es, die mit unserem Verhalten die Richtung vorgeben. Dazu müssen diese Angebote aber auch ernst gemeint sein. Bei einem 1,7 Tonnen schweren Mini Cooper SE Countryman All4 (Test) für 51.000 Euro mit einer elektrischen Reichweite von rund 30 km sind zumindest zarte Zweifel daran erlaubt. (mfz)