Klartext: Premium ad absurdum

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Die drei Zweisitzer-Optima ergeben Märkte mit geringen Stückzahlen für Spezialfahrzeuge. Der große Markt des PKW liegt im Bereithalten von Mobilität: ein Auto steht (jedes Jahr konfliktträchtiger) im öffentlichen Raum herum, bis ich es benutzen will. Einen Fortwo bereithalten kostet mich praktisch dasselbe wie einen Viersitzer bereithalten. „Premium“-Marketing hat sich wie so oft als zu dünne Farbschicht herausgestellt, durch die der Kunde von Anfang an hindurchsah auf die Substanz. Und das Tragische ist nicht, dass Daimler jetzt das US-Geschäft aufgegeben hat. Nein, das Tragische ist, dass sie es erst jetzt geschafft haben.

Der Mensch hängt übermäßig an Dingen, in die er investiert hat. Beziehungen. Projekte. Deshalb kann der Profi am Pokertisch Otto Normalspieler so gut abziehen: Otto wird immer Geld auf längst verlorene Posten setzen, nur weil er vorher sinnvoll Geld investiert hat. Wirtschaftlich klug ist der schnelle harte Schnitt, sobald die Wahrscheinlichkeiten das anzeigen. Nun sind im Poker die Wahrscheinlichkeiten so eindeutig, wie sie im Verkaufsgeschäft nie sein können, doch die Verhaltensforschung weiß recht gut, dass Otto Normalspieler in der Wirtschaft genau dieselben Probleme hat wie am Spieltisch: Er kann Investitionen nicht loslassen.

Daimler hielt sich stets bedeckt zum Bilanzteil Smart. Der wird jedes Jahr in den Geschäftsbereich Autos mit eingerührt. Obwohl manche Wirtschaftsmagazine schreiben, Smart habe insgesamt nur Verluste eingefahren, gab es zum Beispiel 2008 eine kurze Erfolgsmeldung: man arbeite profitabel. Da Daimler auch auf explizite Anfragen nichts dazu sagt, kann letztendlich niemand sicher belegen, wie viel Erfolg Smart hatte. Schon das Gewurschtel der letzten Sätze zeigt Ihnen jedoch: Viel kann es nicht gewesen sein, sonst hätten die Finanzvorstände das hinausgetrommelt in die Welt. Immerhin können wir für Europa noch hoffen. Für die USA nicht.

In Amerika wurden nie viele Smarts verkauft. Als Daimler 2017 verkündete, ab 2019 nur noch elektrische Smarts anbieten zu wollen, wollten nur 27 von insgesamt ohnehin mageren 87 Smart-Händlern weiter den Elefantenrollschuh verkaufen. 2018 verkaufte Smart in den USA nur noch 1276 Autos. Mit dem Wechsel auf Mini-BEV, die 23.000 Dollar kosten, wäre dieser Wert noch weiter abgestürzt, wenn die Werte des ersten Quartals repräsentativ sind. Daimler und Geely betreiben Smart nun als 50:50-Partnerschaft. Ich hoffe, dass Geely bodennahe chinesische Ideen einbringt. Die erste wäre: niedrigerer Preis. Scheiß auf „Premium“. Die zweite, direkt verbundene Idee wäre: höherer Nutzwert. Auf beides warten wir von Seiten Daimlers seit zwanzig Jahren vergebens. (cgl)