Zahlen, bitte! 4 Raumschiffe und ein Pilot: NASA-Urgestein John W. Young

Seite 3: Mit wenig Herzklopfen is All

Inhaltsverzeichnis

Interessant war die Differenz der Herzschläge beim Start: Landemodul-Pilot Charles M. Duke hatte beim Start von Apollo 16 eine Herzfrequenz von 144 Schlägen pro Minute, während bei Young die Messgeräte grade einmal einen Wert von 70 aufnahm. Young meinte später ganz cool dazu, dass er für eine höheren Wert zu alt gewesen sei. Auf dem Mond erreichte Young zudem die Information, dass der Kongress die Mittel für die Entwicklung des Space Shuttle bewilligt hatte, was sein nächstes Abenteuer werden sollte.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes Video (TargetVideo GmbH) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (TargetVideo GmbH) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Young übernahm 1973 erst die Space-Shuttle-Abteilung und ein Jahr später das Astronautenbüro. Diesen Posten hatte er bis 1987 inne. 1976 schied er zudem mit dem Dienstgrad Kapitän zur See nach 25 Jahren Dienst aus der Navy aus.

Als erfahrendster Astronaut war es logisch, dass Young die schwierige Mission des Erstflugs eines STS (Space Transportation System) übernahm. Nicht nur, dass es der erste Flug eines wiederverwertbaren Raumschiffs war, es war auch das erste mal, dass ein System bemannt seinen Erstflug hatte – und das als bis zu diesem Zeitpunkt wohl komplizierteste Gerät, welches je entwickelt wurde. Am 12. April 1981, genau 20 Jahre nach dem Erstflug des ersten russischen Kosmonauten Juri Gagarin im Wostok 1, flog das Spaceshuttle Columbia als STS -1 ins All.

Es war ein reiner Funktionstest. Nutzlast war ein Flugüberwachungssystem, um so viele Parameter wie möglich aufzuzeichnen. Von Computerproblemen vor dem Start abgesehen, verlief die Mission weitgehend reibungslos. Das STS-System funktionierte und war somit einsatzbereit.

Schematische kĂĽnstlerische Darstellung des ESA-Spacelab in der Nutzlastbucht des Space Shuttles.

(Bild: NASA/ESA)

Die letzte Weltraummission Youngs war STS-9. Am 28. November 1983 hob mit Columbia das Spacelab ins All ab. Das Weltraumlabor wurde von der europäischen Raumfahrtagentur ESA entwickelt und beigesteuert. Mit dem deutschen Astronauten Ulf Merbold war zudem erstmals ein ausländischer Astronaut an Bord, als Nutzlastspezialist (die überhaupt in dieser Mission erstmals dabei waren und denen die regulären Astronauten nicht immer wohlgesonnen waren).

Merbold erinnerte sich an John Young als jemanden, der trotz dessen, dass er eine Raumfahrtlegende war und als Chef aller Astronauten galt, sich auch nicht zu schade war, um für die Forscher nach ihrem Tagewerk das Essen zuzubereiten, wie der ESA-Astronaut in seinen Erinnerungen an John Young schilderte. Die Experimente verliefen allesamt wie vorgesehen. John Young konnte nochmal sein ganzes Können zeigen, als kurz vor der Landung zwei Computer und dann eine von drei Trägheitsplattformen ausfielen. Auch entzündete sich während der Landung im Heck ein Feuer und zwei von drei Auxially Power Units (APU) wurden beschädigt, die für die Hydrauliksysteme den Druck bereitstellten. Dennoch landete das Space Shuttle sicher in der Edwards Air Force Base auf Bahn 17.

John W. Young als technischer Direktor des Johnson Space Centers der NASA, aufgenommen 2002.

(Bild: NASA)


John Young blieb der NASA auch weiterhin erhalten. Insbesondere die Sicherheit der Astronauten lag ihm am Herzen. SchlieĂźlich starb sein erster Astronautenkollege und Freund Gus Grissom bei Belastungstests mit Apollo 1, und das maĂźgeblich durch Schlamperei bei der Entwicklung und Bau der Raumkapsel.

Nach 42 Jahren ging Young 2004 in den verdienten Ruhestand und verlieĂź die NASA zuletzt als technischer Direktor des Johnson Space Centers. Er brachte es in seinem Leben auf ĂĽber 15.000 Flugstunden und 835 Weltraumflugstunden und darunter vielen Flugrekorden. AuĂźerdem wurden Ihm viele Ehrungen und Auszeichnungen zuteil: Die Navy Distinguished Service Medal mit Goldstern, von der Regierung erhielt er der die Medal of Honor, die NASA verlieh ihm die Distinguished Service Medal mit drei Eichenlaub und Exceptional Service Medal NASA.
2013 erschien seine Biographie "Forever Young – A Life of Adventure in Air and Space".

Am 5. Januar 2018 starb John Watts Young in Houston an den Folgen einer LungenentzĂĽndung. (mawi)